Vier Tage Alice Springs


Alice Springs wurde vor ca. 140 Jahren als Telegraphen Station gegründet und hat sich heute zu einer Stadt mit etwa 21000 Einwohner entwickelt. Diese Stadt befindet sich im Herzen, also nahe dem geographischen Zentrum Australiens. Die Stadt bietet Reisenden eine optimale Möglichkeit, um Proviant, für weitere Expeditionen in das australische Outback, zukaufen. Ich bin nach Alice Springs gefahren, um Claudia und Werner zu treffen und um mit denen ein paar gemeinsame Tage zu verbringen.

Jupieh, es hat geklappt. Ich bin in Alice Springs. Gegen 17:30h schlage ich bei Claudia auf. Werner kommt ein paar Minuten später dazu. Nachdem wir ein wenig über die letzten Tage gesprochen haben, baue ich mein Zelt auf und wir fahren zusammen mit Beat, einem Schweizer 800GS Fahrer, in die Backpacker – Kneipe „Nannies“. Hier haben wir uns mit Tom und Vanessa verabredet. Da Tom am nächsten Tag weiter Richtung Sydney muss, freue ich mich, dass wir den letzten Abend bei einem Bier und lecker Essen gemeinsam verbringen können. Ein gelungener Abschluss nach drei gemeinsamen Fahrtagen. Nachdem die arbeitende Bevölkerung früh müde und damit ins Bett gestartet ist, sind Tom, Vanessa und ich noch in eine weitere Kneipe gefahren.
Was ich auf den Weg dorthin sehen musste, hat mir jedoch den Atem verschlagen. Bereits in der Innenstadt von Alice war ich über die Anzahl, den Geruch und der Unzurechnungsfähigkeit der Aborigines überrascht. In der Stadt gibt es viele Aborigines (von hier an Abo). Warum? Ganz einfach, weil es hier Alkohol gibt. Diese Abo sind aus Ihren Communities geflogen und können aufgrund Ihrer Alkoholsucht nicht mehr dahin zurück. In den Aborigines-Communities gibt es ein striktes Verbot von Alkohol und Drogen. Sogar das Benzin ist hier, im Outback, mit Opal versetzt, so dass dieses ungeniessbar und damit nicht geschnüffelt werden kann. Ich fahre an einem Gebäude neben einen Alkoholladen vorbei. Vor diesem Gebäude lungern einige Abos auf Treppenstufen oder am Bordstein herum. Mir fällt auf, dass auch viele Kinder dabei sind. Später erfahre ich, dass hier die Kinder, von Ihren Müttern, an Schwarz-Afrikaner, für eine Nacht verkauft werden. Die Polizei, welche in dieser Gegend und in Alice generell sehr präsent ist, kann hier nicht wirklich was erreichen. In weiteren Gesprächen erfahre ich, dass Gewalt und Konflikte unter den Abos an der Tagesordnung sind. Werner berichtet von einem betrunkenem Abo, der (s)ein Kind mehrfach, kopfüber, auf die Strasse geschmissen hat. Männer, die Ihre Frauen, mitten auf der Strasse, in das Gesicht schlagen, muss ich leider auch während ich mit dem Motorrad an den Menschen vorbeifahre, erleben. Keine Zukunft für diese Menschen. Das ist besonders für die Aborigines problematisch, welche bestrebt nach einem besseren Leben sind. Diejenigen welche für sich ein „besseres“ Leben beanspruchen und eigenes Geld verdienen, müssen alle Einnahmen vollständig an den Ältesten übergegeben. Wird ein eigenes Geschäft eröffnet und/oder versucht, in der Schule etwas Bildung zu bekommen, dann ich man gleich White Trash und wird von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Eine üble Spirale.

In Alice Springs darf in der Öffentlichkeit kein Alkohol getrunken werden. Dennoch hängen unter den Bäumen, im Park und an vielen schattigen Ecken, Abos am Feuer rum, während diese Bier trinken. An dem Tag, als ich die Stadt verlasse, bekomme ich einen Dialog mit. Ich stehe an der roten Ampel und warte auf grün. Rechts von mir, unter den Bäumen, sitz eine Gruppe Bier trinkender Abos. Als bei einem die Dose leer getrunken ist, wird diese mit dem Kommentar – white trash – einfach in die Gegend geschmissen. Lautes anerkennendes Gelächter ist die Reaktion der anderen. Ja, auch dieser Müll ist vom „white man“, während der Inhalt gerne konsumiert wird.
In dieser Stadt und in verschiedenen Gesprächen mit Australiern, erlebe ich die Problematik zwischen dem weissen Mann und den Aborigines zum ersten mal Live. Nicht schön. Auf der gesamten Reise ist mir aufgefallen, dass wenn ich Australier auf die australischen Ureinwohner, die Aborigines angesprochen habe, habe ich häufig sehr negative Worte und zum Teil Hass erlebt. Insbesondere in Alice Springs war dies allgegenwärtig.

Ich habe keine Ahnung, wie diese Problematik dauerhaft und zum Frieden aller gelöst werden kann? Die Abos haben ihre Sprache, ihren Lebensraum und ihre Kultur verloren. Die gesellschaftliche Entwicklung, welche bei uns über Jahrhunderte gewachsen ist, wurde den Abos von jetzt auf gleich übergestülpt. Kein leichter Start und dementsprechend schwer, über die eine oder andere Seite zu urteilen. Perspektivlosigkeit, scheint bei den Abos das größte Problem zu sein.
Was mich betrifft, und darauf bin ich nicht stolz, ist die Tatsache dass ich mich von dem Körpergeruch, dem Aussehen und der Lautstärke der Sprache der Abos, abgestossen fühle. Der Geruch von Alkohol und Schweiß sowie Kriminalität hängt wie ein böses Omen über der Stadt. Ist ein Abo in der Nähe, verlasse ich den Laden oder muss die Luft anhalten. Die Körpergerüche sind so stark, dass ich mich im Supermarkt vor Gestank fast übergeben musste. In genau diesen Supermärkten wird Kleidung, die von Abos anprobiert, aber nicht gekauft wurde, anschliessend einfach weggeworfen. Die Kleidung ist nach der Anprobe nicht mehr zu verkaufen. Sicherlich habe ich in Alice Springs nur die „Problem“ Aborigines erlebt, aber auch die sind ein Teil der Gesellschaft und ein Teil des Problems. Australien hat hier noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen.

Ich bin gespannt, welchen Eindruck ich von den Aborigines-Communities entlang der Great Central Road gewinne. Auch wenn ich nur ein Transit Visum bekomme, so muss ich doch in diese Communities, um zu tanken und um eventuell dort die eine oder andere Nacht zu verbringen. Ich bin gespannt.

Die nächsten Tage habe ich bei und mit Claudia und Werner verbracht. Eine Einladung zum Abendessen (Lasagne und Salat, lecker) bei Deb mit Ihren Kindern war ein toller Einblick in deren Leben. Steven war leider nicht dabei. Er hat sich relativ kurzfristig ein neues Moped in Melbourne gekauft. Während wir Essen, befindet er sich gerade auf den Rückweg. Melbourne ist auch mal gleich auf der Strecke, ungefähr 2400km, das kann man ja mal in 2 Tagen fahren. Was sind wir Deutsche nur für Weicheier 🙂

Am nächsten Tag allerdings befinden wir uns in Stevens 4×4, mit Anhänger, und fahren Richtung Süd-Australien. Der Plan ist, Steven unterwegs aufzusammeln und damit sein geschundenes Kreuz ein wenig zu entlasten. Auf dem Weg Richtung Süden, setzt Werner plötzlich den Blinker und fährt mit uns in das Rainbow Valley. Ich muss lachen, noch drei Tage zuvor sind Tom und ich daran vorbeigefahren und haben uns, zugunsten einer frühen Ankunft in Alice, gegen eine Fahrt in das Valley entschieden. Mal wieder Glück gehabt. Steven kommt uns ungefähr 150km südlich von Alice Springs entgegen und freut sich, die letzten KM im 4×4 nach Hause zu fahren. Ich hätte mich bereits nach einer Strecke von 1000km darüber gefreut 😉

Nach dem Oodnadatta Track wollte ich unbedingt in das Old Ghan Railway Museum. Leider wurde ich hier, zum ersten mal auf meiner Reise, enttäuscht. Das Museum hat während des Sommers geschlossen und öffnet nur auf Anfrage und nur für Gruppen ab 10 Personen. Leider findet sich keine solche Gruppe während meiner Zeit in Alice Springs. Ein Grund erneut nach Australien zu kommen.

Am letzten Tag vor meiner Abreise treffe ich erneut Michael (der aus Canberra), welcher sich zur gleichen Zeit in Alice befindet. Am Abend bietet ein  leckeres gemeinsames Barbecue (hier hoffe ich auf Beat und Steven, und ein paar Bilder :-D) die notwendige Grundlage für den Mereenie Loop Drive. Ein weiteres Stückchen Outback bevor es auf die Great Central Road geht.

Claudia und Werner. Danke noch einmal für die Zeit bei Euch und viel Glück auf Eurem Abenteuer. Für alle, die die beiden begleiten wollen, hier der Link.

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