Monatsarchiv: Februar 2012

You are now entering the…


… World Heritage Drive.

Doch bevor ich auf diesem Weg einkehre, fahre ich noch an einem Seen, in dem natürliches Salz durch Verdunstung gewonnen wird und durch den Kalbarri National Park.

Der Kalbarri National Park, etwa 100km nördlich von Geraldton, ist neben seinen besonderen Sediment-Steinformationen (Tumbloga Sandstein), insbesondere für seine Vielfalt an Wildblumenarten bekannt. Viele davon (einundzwanzig Varietäten) sind endemisch und verändern die Landschaft und das Erscheinungsbild des Nationalparkes. Bei einem kurzen Zwischenstopp im Hafen von Kalbarri werde ich „aufgefordert“, in der Zeit zwischen Juli und November wiederzukommen. Zu dieser Zeit soll sich der Küstenabschnitt in ein buntes Meer aus verschiedenen Farben verwandeln. Die bunten Farben kommen von den verschiedenen blühenden Pflanzenarten wie zum Beispiel den „Smokebushes“,  den Starflowers (habe noch keine ordentliche Übersetzung dafür gefunden) sowie vielen weiteren Pflanzenvarietäten. Desweiteren gibt es auf der Küstenstrecken ein paar atemberaubende Ausblicke auf die Steilküste. Nicht schlecht und wieder ein neues Bild des indischen Ozean und der australischen Küste.

Ich fahre weiter Richtung „Shark Bay“. Dieses Gebiet ist ein UNESCO Welterbe. Der „World Heritage Drive“ ist eine 130km asphaltierte Strasse, die durch das Welterbe bis nach Monkey Mia und damit zu dem Highlight vieler Touristen führt. Entlang dieser Strasse gibt es tatsächliche faszinierende Ausblicke und Sehenswürdigkeiten. Nanga Beach, Shell Beach und der Eagle Bluff zählen zu den Highlights. Diese schaue ich mir aber erst nach einem Übernachtungsstopp, in Nanga Beach an.

Hier hat mich dann mein eigener Campingplatz, mein eigener Pool und meiner eigener Sandstrand überrascht.
Warum sollte ich nun weiter, zu den überfüllten und teueren Campingplätzen nach Denham und Monkey Mia?
Keine Ahnung?
Ich auch nicht, deshalb sind aus einer Übernachtung, drei Übernachtungen  geworden. Die Tage dazwischen habe ich mit Vorbereitungen für die nächste Woche und  mit faulenzen verbracht. Nachdem der Pool leergesoffen und die Bar leer gegessen war, hiess es dann Abschied nehmen, um zu erleben, warum Shark Bay ein Unesco – Welterbe geworden ist.

Wikipedia schreibt: „Der Shell Beach ist ein ca. 40 km langer Küstenstreifen an der westaustralischen Shark Bay, der aus einer bis zu 10 Meter dicken Schicht aus Milliarden von Herzmuscheln der Art Fragum erugatum besteht.“
Brutal ist jedoch jeder Schritt Richtung Wasser. Das brechen und knacken dieser in Wassernähe sehr locker aufgehäuften Muscheln brechen mir fast das Herz. Dennoch entschädigt der Blick vom Wasser aus für dieses „zerstören“.
Ein schneeweisser Strand endet in türkis-farbendes Wasser. Wunderschön! Leider müssen sich Menschen überall verewigen. Diesmal auch ich … wer hat schon die Möglichkeit, sich in einem Meer aus Muscheln, mit weissen Herzmuscheln zu verewigen? Und das Beste daran, der nächste starke Wind oder die Flut, regeneriert wieder alles, so als wenn nichts da gewesen wäre 😉

Eagle Bluff ist eine Aussichtsplattform, welche ca. 20km südlich von Denham liegt. Das seichte Wasser ist ein optimaler Weidegrund für Seegras und lockt neben Dugongs auch Fische an. Diese locken dann natürlich Haie, welche in dem seichten Wasser leicht ihre Beute finden. Dugongs sind die einzigen heute noch lebenden Gabelschwanzseekühe, die ich leider nicht sehen konnte, Euch aber dennoch ein geklautes Bild aus Wikipedia hier reinkopiere. Wer diese Tiere (auch Delphine) in echt erleben möchte, kann dieses auf eine Catermaran-Tour, von Monkey Mia aus machen. Mir waren die Gesamtkosten von 85AUD zu viel, so dass ich mich nach einer Stärkung in Denham, wieder auf den Rückweg zu meinen nächsten Abenteuer gemacht habe.

You are leaving now the World Heritage Drive.
Thank you for visiting Shark Bay.

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Geraldton und der indische Ozean


Ich habe einen tollen Campingplatz, etwas außerhalb der Stadt, direkt am Ozean gefunden. Diese Stadt ist mit etwa 30.000 Einwohnern, die fünftgrößte Stadt in West Australia. Geraldton selbst ist ein wichtiges Fischfang-, Schafzucht-, Tagebau-, Weizen- und Tourismuszentrum. Desweiteren ist Geraldton bei Windsurfern und Kitern sehr beliebt. Der starke Wind und Brandung sind, zu dieser Jahreszeit und für diese Sportarten, ideal. Hier lässt es sich aushalten und ich beschliesse, für die nächsten drei Tage, mein Basislager einzurichten, Wäsche zu waschen und notwendige „Näharbeiten“ an meiner Short durchzuführen. Allerdings muss ich beim Nähen der Short wohl so unglücklich ausgesehen haben, dass mich eine Dame (Barb) mit den Hinweis auf ihre Nähmaschine angesprochen hat. Kurz danach hat Barb (Big Mumma) mir die Short genäht. Das war mal wieder nett. Einfach Spitze, diese Australier!!!

Am Strand treffe ich den belgischen Nachwuchs Windsurfer, Dieter van der Eyken. Er wurde im Alter von achtzehn Jahren  die Nummer Acht auf der weltweiten Rangliste im PWA Freestyle. Momentan trainiert er in einem Surfer Paradise nördlich von Geraldton. Am nächsten Tag bin ich zu diesem „Trainingslager“ gefahren, konnte ihn aber leider nur nach dem Training antreffen. Dieter beim Training zu photographieren, ist für mich ein weiterer Grund, um bis Montag in Geraldton zu bleiben. Auch er pflegt einen Blog, wie immer, könnt ihr diesen hier finden.

Ein weiterer Grund, um einen Tag länger hier zu bleiben, ist der indische Ozean. Die Spaziergänge, die Sonnenuntergänge und das Baden im Ozean sind der Hammer. Ich weiss gar nicht ob ich von hier jemals wieder weg will.

Heute mal ein kurzer Artikel, dafür mit mehr Bildern. Ich werde gerade zum Barbeque gerufen. Hm, lecker.


Den letzten Abend, vor meiner Weiterreise, habe ich mit Michelle, Big Mumma und Dieter (von links) verbracht. Nach einem sehr leckeren Abendessen (Big Mumma, hat extra Känguru zubereitet) musste ich seid sehr langer Zeit eine Niederlage, bei dem Spiel „Towers“/Jenga, erleben.

Ob es einen Zusammenhang zwischen

meinem Beer-Cycle und meiner Niederlage gibt? Das muss, wenn ich wieder nüchtern bin,   ausgewertet werden.

Nach einem tollen Sonnenuntergang, in Sunset Beach, geht es morgen weiter zur Shark Bay (ca. 400km nördlich von Geraldton).

Heading North towards to Geraldton via Nambung-National Parc


Ich habe Perth in Richtung Norden verlassen. Nach einem letzten Blick auf die Hochhäuser des Geschäftsviertels werde ich langsam aus der Stadt und auf den „indian ocean drive“ gespült. Dieser „indian ocean drive“ hat seinen Namen verdient. Die Strasse führt meistens in unmittelbarer Nähe am indischen Ozean entlang und bietet immer wieder kleine Stichstrassen, die direkt an den Ozean und zum Strand führen. Über eine davon bin ich in das Dorf Seabird gefahren.  Eigentlich hatte ich von dieser Stichstrasse und dem kleinen Dorf nicht viel erwartet. Dennoch hatte ich hier verschiedene Erlebnisse.

  • Punkt 1: Die Strasse führt mich, unerwarteter Weise, zu einem weissen Sandstrand mit Blick auf den türkisfarbenen indischen Ozean.
  • Punkt 2: Ich wurde zu einem Frühstück eingeladen.
  • Punkt 3: Ich wurde gefragt, ob ich nicht nach Australien kommen möchte und ein neues Sandwich Lokal, als Manager, eröffnen möchte. 40h  pro Woche, 1300AUD pro Woche plus Beteiligung am Gewinn.

In einem Land, in dem es nur 2% Arbeitslosigkeit gibt, welches auf Einwanderer angewiesen ist sowie Backpacker das Rückrad der Nation sind, gibt es für jeden, der will, Arbeit. Ich merke, dass ich auch langsam wieder etwas „sinnvolles“ tun möchte. Nach sieben Wochen möchte ich bereits wieder arbeiten und etwas bewegen. Auch dieses wird mir als typisch Deutsch unter die Nase gerieben. So what, ich bin ja auch Deutsch.

Leider kann ich das angebotene Geschäftsmodell nicht annehmen, ich habe ja noch einen Plan, und möchte weiter Richtung Norden. Hängen bleibe ich im kleinen Fischerdorf Cevantes, nicht weil es hier einen Campingplatz in unmittelbarer Nähe zum indischen Ozean gibt, sondern weil dieses Dorf eine gute Ausgangsposition für die Besichtigung des Nambung Nationalparkes und der ältesten Lebewesen der Erde ist. Die wenigsten können wahrscheinlich mit dem Namen dieses Nationalparkes direkt etwas verbinden, dafür aber um so mehr mit dem Begriff „The Pinnacles“. Doch bevor ich die Pinnacles besichtitgen kann, durfte ich ein wenig Lehrer spielen. War gar nicht mal so schlecht und ich hatte meinen Spaß.
Nachdem ich, mit zwei Australier und einem Neu – Seeländer, ins Gespräch gekommen bin und Fragen wie,  „Wie lange bist Du schon unterwegs“, „Wo geht es hin“, „Wie gefällt Dir Australien“, beantwortet haben, ging es ins eingemachte.
Die Frage „Aus welchem Land kommst Du“? habe ich hier mal nicht beantwortet sondern einfach mal die Fragerunde rumgedreht.

(Ich): „Was meint Ihr denn? Aus welchem Land komme ich?“
(Australier 1): „Ganz klar, aus Dänemark!“.
Da ich diese Antwort bereits mehrfach gehört habe, musste ich hier nun mal etwas genauer nachfragen.
(Ich): „Warum meinst Du, dass ich aus Dänemark komme?
(Australier 1): „Ist doch ganz einfach. Auf Deinem Kennzeichen steht ein „D“„.
Ich musste lachen, klar, könnte Dänemark sein. Auf meine Antwort, dass das „D“ für Deutschland, also Germany, steht wurde mit Verwunderung geantwortet. (Australier 1): „Und warum steht dann da nicht ein „G“ wie Germany?“.

Seine Antwort hat mich dann allerdings ein wenig nachdenklich gestimmt.

Unerwartet reisst mich Australier 2 aus meinen Gedanken.
(Australier 2): „Och, ich dachte Du kommst aus den USA“.
Da musste ich dann erneut nachfragen.
(Ich): „Warum sollte ich aus den USA kommen?“
(Australier 2): „Na wegen der ganzen Sterne auf deinem Kennzeichen“.
Bevor ich darauf Antworten kann, kommt der Neuseeländer ins Spiel.
(Neu Seeländer): „Ach schön, dass Du aus Deutschland kommst, dann kann ich mein französisch aufbessern“.

Seid diesem Zeitpunkt bin ich Stan aus Dänemark. Geht doch!

Die Pinnacles sind Kalksteinsäulen mit einer Höhe von bis zu 4m, die in einem Dünengebiet im Nambung-Nationalpark, zwischen Perth und Geraldton, liegen. Auch wenn diese Kalksteinsäulen an verschiedenen Stellen in Westaustralien vorkommen, nirgendwo sind sie in so einer Dichte wie hier zu sehen. Über eine ca. 4km lange Sandpiste können die Pinnacles besichtigt werden. Das schöne hieran ist, dass man aussteigen und durch die Landschaft wandern darf. Gerade der Kontrast des gelben, quarzhaltigem, Sand zu den Pinnacles und einem blauen Himmel, macht sich auf Bildern extrem gut. Leider habe ich Pech und der Himmel reisst heute nicht mehr auf. Dennoch, die Fahrt über die Piste macht sehr viel Spaß und ich verbringe hier fast drei Stunden.

Auf dem Weg zurück fahre ich noch schnell bei den ältesten Lebewesen unseres Planeten vorbei. Zwei Milliarden Jahre waren sie, die Stromatolithen, die einzigen Lebewesen auf unserem Planeten, und haben den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre auf nette 21% gebracht. -„Frank, aus Langenfeld, mag sie“-. Sehen könnt ihr diese Lebewesen u.a. am Lake Thetis in der nähe zu Crevantes.

Nach dieser kleinen Zeitreise treffe ich noch auf Frank, einen Hamburger Jungen, welcher mit seinem Fahrrad durch Australien reist bzw. gereist  ist. Er verbringt, nach fast 4 Monaten und 6000km, seine letzten Tage vor der Rückreise hier in Westaustralien. Mit einem leckeren Bier verabschieden wir uns in die Nacht und zum nächsten Tag.

Aussie Crates – Vorbesprechung –


Weiter nach Fremantle und auf zu Aussie Crates. Erschreckend, die Temperaturen und die Luftfeuchte steigen immer weiter. Perth erstickt am heutigen Tag in einer Wolke aus Abgasen und Nebel. Die Luft ist schwül, Stop and Go ist angesagt. Willkommen in der Großstadt. Hier merke ich, wie sehr ich mich an die Menschenleere und saubere Luft des Outbacks gewöhnt habe. Wie gerne würde ich direkt wieder zurück auf die Great Central Road. Aber, ich bin Deutsch und für heute steht etwas anderes auf dem Plan. Ein unangemeldeter Besuch bei der Firma Aussie Crates in Fremantle. Die Firma ist Spezialist für den Bau von massangefertigten Transportkisten, egal ob aus Holz oder Metall. Sie bietet eine Vielzahl individueller Anpassungsmöglichkeiten und baut Kisten nach den eigenen Wünschen. Da ich eine neue Motorradbox benötige (siehe Damage Report), ich weder das Material, die Ressourcen, noch die Lagermöglichkeiten für den Eigenbau einer Kiste habe, ist diese Firma, mit der Nähe zum Containerhafen von Fremantle, der optimale Ansprechpartner. Eine wichtige Sache, da so die zusätzlichen Transportkosten, um die Motorradbox in den Hafen von Fremantle zu transportieren, deutlich reduziert wird. Ungefähr eine Stunde vor Ladenschluss bin ich vorgefahren und unmittelbar von Ian beraten worden. Keine zwanzig Minuten später war alles besprochen und ich konnte weiter Richtung Norden fahren. So stelle ich mir eine kundennahe Beratung und kompetente Abwicklung vor. Weiter geht es für mich nach Geraldton und damit direkt zum indischen Ozean.

Spinnengetiers: Size XXL


Die Great Central Road liegt nun hinter mir. Vor mir liegt das Bergbaugebiet um Kalgoorlie-Boulder im südlichen Outback und der Great Eastern Highway, über den ich bis nach Perth fahren werde. Ein krasser Gegensatz prasselt seid der Kleinstadt Laverton, am Ende der Great Central Road, auf mich ein. Ich werde durch das Bergbaugebiet (in dieser Region wird Gold abgebaut) von Roadtrains (Begrenzung auf 52m und drei Anhänger) und Servicefahrzeugen der Bergbaugesellschaften gejagt. Die Luft riecht nach Altöl, Staub und Abgasen. Was für ein Gegensatz zum Outback. Auf dem Weg nach Perth fahre ich durch die Stadt Kalgoorlie-Boulder. Diese Stadt ist der Inbegriff und das Zentrum der heutigen Ausbeutung der australischen Bodenschätze. Sie bildet eine harte Linie zwischen der Einsamkeit und Isolation im Bush und einer riesigen Abbaumaschinerie. Hier wird Geld noch mit harter Arbeit verdient. Aber gerade diese harten Jobs, im Bergbau, werden sehr gut bezahlt. Die Stadt ist eine schmutzige, stinkende und dreckige Wüstenlandschaft und voll von Wanderarbeitern. Alte Geschäftshäuser vermitteln den Charme einer Wild West Stadt. Bordelle, Bars mit leicht bekleideten Mädchen (Dessous) und Spielhöllen laden den hart arbeitenden Mann zum Geld verschwenden ein. Gerade dieses, im Vergleich zu anderen Berufen, sehr hohe Einkommen treibt die Preise für Übernachtung und Verpflegung in schwindeleregende Höhen. Campingplätze sind hier ausschliesslich für Caravans ausgelegt. Dementsprechend soll ich für eine Nacht, ohne Strom, in meinem kleinen Zelt auf einem geschotterten Platz, 47AUD bezahlen. Die Motelpreise beginnen ab 145AUD. Einfachere Unterkünfte, in denen ich nicht schlafen kann bzw. will, sind mit Stockbetten ausgestattet und bieten Platz für bis zu 8 Personen. Die 65AUD, die dafür verlangt werden, sind mir eindeutig zu viel. Der Lärm und der Geruch schwerer Maschinen dringt aus allen Ecken.
Nein, eines ist klar. Ich verzichte auf das kühle Bier in einer der Bars und fahre weitere 200km, bis zur nächsten Stadt, auch wenn sich die Sonne bereits dem Horizont nähert.  Eine gute Entscheidung. Ich komme auf einen kleinen netten Campingplatz in Southern Cross unter.

Noch am Tag zuvor musste ich herzlich über zwei Asiatinnen lachen. An dem Goldabbaugebiet um Kalgoorlie-Boulder führt der Gold Heritage Trail entlang. Eine der ehemaligen Verladestationen, welche an dem Trail liegen, wollte ich mir ansehen. Als ich die Strasse verlasse, um zu parken, kommen mir zwei Asiatinnen in einem ungewöhnlich schnellen und hektischem Tempo entgegen gerannt. Während die eine damit beschäftigt ist, ihre Sonnenbrille und ihren Rock beim Laufen nicht zu verlieren, zeigt die andere, kreischend, in Richtung Verladestation. Noch bevor ich angehalten habe, um zu fragen was denn los ist, sehe ich von den beiden nur noch eine Staubwolke in den Himmel steigen. Die hatten es wohl eilig. Naja, mal sehen, was die beiden so erschrocken hat. Ich nähere mich langsam und aufmerksam der Verladestation. Sieht doch eigentlich sehr gut aus. Keine Leichen oder ähnliches zu sehen oder zu riechen. Gerade als ich entspannt den Photoapparat einschalte, fällt mir etwas über meinem Kopf auf. Auch ich kann mir ein „Oha“ nicht verkneifen. Über meinem Kopf hängt in einem Spinnennetz eine Spinne von mir bisher unbekannter Größe. Auch ohne Zoom, kann ich den Körper der Spinne (ungefähr 10cm lang), sehr gut photographieren. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist die Tatsache, dass diese Spinnenart nur die Vorbereitung auf den nächsten Morgen ist.

Die Nacht in Southern Cross war relativ unspektakulär. Keine Verkehrsunfälle, keine gröberen Streitigkeiten zwischen Campingnachbarn. Sogar die aufgehende Sonne hat Erbarmen mit mir und gönnt mir Schlaf bis ca. 06:30h. Als ich noch ein wenig schlaftrunken aus meinem Zelt torkel, wundere ich mich über den ungewohnten seidigen Glanz meiner HPN. Bei näherer Betrachtung wird der Grund dafür deutlich. Hier haben ein paar Spinnen ganze Arbeit geleistet. Das Motorrad ist an Lenker, Sitzbank, Seiten und Packtaschen ordentlich eingesponnen. Bei genauerer Betrachtung und Entfernung der Spinnenfäden fällt mir auf, dass diese deutlich härter und dicker sind als die Fäden von mir bekannten Spinnentieren. So ein starkes Spinnennetz hatte ich bisher noch nicht gesehen. Plötzlich erinnere ich mich an ein Gespräch mit einem „Bergmann“ in Leigh Creek. Er hat mich auf die besondere Netzstruktur der Rotrückenspinne (Redbag Spider) hingewiesen. Das was ich hier sehe, erinnert mich doch stark an seine Beschreibungen.  Mit leichter Panik durchsuche ich das Moped nach weiteren bzw. genau so einer Spinne. Eine kann ich sogar finden, und diese hat einen „fucking red“ Strich auf dem Rücken. Habe ich damit etwa eine, vielleicht sogar mehrere Rotrückenspinnen an, auf und wohlmöglich in meinem Moped, kreisch?

Wikipedia schreibt über die Red bag Spider/Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti): „Diese Art ist nicht aggressiv. Die männlichen Tiere sind harmlos, für den Menschen gefährlich sind nur die Weibchen. Der Biss selbst ist kaum zu spüren, der darauf folgende charakteristische Abdominalschmerz wird als „unerträglich“ beschrieben. Die Hauptkomponente des Giftes, das Alpha-Latrotoxin, führt zu Krämpfen und Schmerzen. Die Symptome dauern etwa zwölf Stunden an und klingen dann ab. Lebensgefahr besteht, wenn durch die auftretenden Lähmungserscheinungen das Atemzentrum betroffen ist.“

Natürlich handelt es sich bei meinem(n) Exemplar(en), aufgrund der Körpergröße, um die gefährlichen Weibchen. Naja, wenn ein gesunder ausgewachsener Mensch von einem Biss nicht sterben soll, dann soll er sich wohl nach einem Biss, aufgrund der Schmerzen, sich selbiges sehnlichst wünschen. Tolle Aussichten. Hier war ich dann nun mal gar nicht mehr entspannt! Keine Ahnung wo und wieviele Spinnen es sind. Dafür bietet mein Motorrad tausende von Möglichkeiten, wo sich so ein Tier verstecken kann. Die Vorstellung, dass die während der Fahrt von unter meinem Tank oder gar der Sitzbank raufgekrabbelt kommt, gefällt mir irgendwie gar nicht. Beim aufbocken des Motorrades, durch Zufall, in eine reinzufassen, gefällt mir aber noch weniger. Doch was tun – Kopfkratz – ?

Glücklicherweise bin ich in Australien und damit in einem Land, in dem es tödliche „Multi Insect Killer“ mit „Fast Knockdown“ zu kaufen gibt. Also, nix wie auf zum nächsten Agrarhandel. Nur wie komme ich da hin? Ganz klar, diese Reise steht unter dem Motto „ein Abenteuer mit dem Motorrad“ und dementsprechend fahre ich, auf den Fussrasten stehend und sehr breitbeinig zum Agrarhandel. Vor dem Agrarhandel konnte ich, neben anderen Arten, auch ein Exemplar der Rotrückenspinne an der Gepäckbrücke finden. Leider hat diese sich so schnell verzogen, dass ich das angebliche Wundermittel an einer anderen Spinne, die gerade aus meiner Lenker-Armatur gekrabbelt kam, ausprobieren musste. Kurz drauf gesprüht…Spinnenstarre… nach 4sek springt die Spinne auf, um tod auf dem Rücken zu landen. Das gefällt mir, insbesondere in dieser Situation! Kurzum habe ich in jede Ritze und jedes Loch Mortein gesprüht. Nach der Anwendung war ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob Mortein ausschliesslich ein Multi Insect Killer ist, oder noch andere Gattungen, wie z.B. die Art Mensch, killen kann. Nach etwa 24h war die Übelkeit verflogen 😀

Ich habe es überlebt, also, die Rotrückenspinne. Diese habe ich zwar nach dem Einnebeln nicht mehr gesehen, gehe aber davon aus, dass ihr die Sonderbehandlung nicht so gut bekommen ist. Was mit ihr allerdings geschehen ist…keine Ahnung. Ich lebe aber noch und kann mich zum Glück nicht über Bauchschmerzen beschweren.

Als nächstes kommt Aussie Grates in Fremantle und der indische Ozean.

Great Central Road


Die Great Central Road ist Teil des „Outback way“ oder des „Australias Loggest Shortcut“. Diese Strecke führt von Perth via Alice Springs nach Cairns und hat damit eine Gesamtlänge von 4615km. Die Great Central Road hat eine Länge von 1098km und ist für mich die perfekte Route, um von Alice Springs nach Perth und WestAustralien zu kommen. Alternativen Strecken dazu wären:

  • Den Stuart Highway Richtung Norden zu fahren, um durch die Kimberly und über Brooms, die Westküste entlang nach Perth zu fahren. Wegen der 3800km (überwiegend Asphalt) sowie der Regenzeit zu dieser Jahreszeit, ist keine Alternative für mich.
  • Die südliche Route, also den Stuart Highway nach Süden und dann über den Nullabor Plain zu fahren, dass ist mir jedoch zu langweilig, zu monoton, zu asphaltiert, zu weit und zu touristisch. Diese Strecke fährt ja jeder.

Dementsprechend liegen nun 1098km Offroad Piste, von Yulara bis nach Laverton, vor mir. Die Piste wird als breite Wellblechpiste, die mal weichsandig und steinig ist, oder als Offroad-Autobahn beschrieben. Wellblech und weitere Durchfahrten durch Flüsse stehen auf dem Programm. Roudhouses innerhalb der Aborigines-Communities sind die einzigen Versorgungsstationen auf dieser Strecke.
Diese sind:

  • Docker River (nach 254km)
  • Warakurna (nach 355km)
  • Warburton (nach 582km)
  • Tjukayirla (nach 826km)
  • und Laverton nach 1098km.Damit ist der Abschnitt von Tjukayirla bis Laverton, mit 272km die längste Etappe ohne Versorgung. Wenn hier etwas ungeplantes passiert, kann sich dieses schnell zu einem größerem Problem entwickeln.

Kommunikation, sprich Handy, funktioniert auf der gesamten Strecke nicht. Ein Satelitentelefon war mir zu teuer und dementsprechend ist mein Spot-Satellite Messenger das einzige Sicherheitsbackup, was ich auf dieser Strecke habe. Wie auf den anderen Outback -Pisten wird auch die Great Central Road im Sommer eher selten befahren. Wie selten, das habe ich dann auf der Strecke erlebt. Insgesamt habe ich fünf Fahrzeuge gezählt. Davon war eines, Martin, ein Motorradfahrer aus Saarlouis, aus dem Saarland.

Mit leichter Aufregung, Anspannung aber auch Vorfreude, starte ich die ersten KM Richtung Dockers River, der ersten Community, wo ich Opal-Benzin und Wasser „tanken“ möchte. Grundsätzlich werde ich bei jeder Möglichkeit Benzin tanken, auch wenn ich noch genügend Benzin zum nächsten Roadhouse haben sollte. Ich will kein Risiko eingehen! Dieser erste Streckenabschnitt hat es in sich. Steinige und Weichsandpassagen sind zu meistern. Einen Großteil der Strecke muss ich im Stehen fahren, um die HPN gut durch die Spurrinnen und Sandpassagen zu führen. Mit dem Hintern nach hinten und bei einer Geschwindigkeit zwischen 80 und 90km/h, springe ich über die Hubbeln der Wellblechpiste. Bei langsameren Geschwindigkeiten bieten mir die Hubbeln diese Wellblechpisten Zähneklappern (aufgrund der Vibrationen) und ein instabiles fahren.
Vor Dockers River (260 Einwohner, davon 6 Weisse) haben mich alle gewarnt. Bloss nicht in dieser Communitiy übernachten! Schlaf lieber 20km vor oder nach dieser Community im Bush. Wie immer will ich mir meinen eigenen Eindruck verschaffen. Dieser ist gar nicht mal so gut. Um 13:30h habe ich nach etwas suchen das Roadhouse von Dockers River gefunden. Wie ich in diese Community einfahre, brennt am Wegesrand ein Auto. Abos sitzen unbekümmert daneben. Scheint wohl öfters zu passieren. Das Roadhouse, was eher einem Gefängnis ähnelt, ist noch verriegelt und verschlossen. Verriegelt heisst, dass die Fenster und Türen mit Metallgitter zugeschweisst sind. Auch die Zapfsäulen befinden sich in einem abgeschlossenen Metallkäfig, um Diebstahl oder Missbrauch vorzubeugen. Ich muss noch 30min warten, bis das Roadhouse öffnet und ich meine Vorräte auffüllen kann. Das mache ich, in einem schattigen Plätzchen zwischen Müll, verschiedensten Knochen und Kadavern vor dem Roadhouse. Während dieser Zeit fahren Abos mit ihren zerdemmelten Geländewagen um das Roadhouse und schreien mir immer wieder etwas zu. Ich habe keine Ahnung was, aber die Drohgebärden, mit ihrem Bumerang aus dem Autofenster in meiner Richtung zielend, gefällt mir gar nicht. Glücklicherweise öffnet das Roadhouse und ich bekomme Benzin. Allerdings sieht das Roadhouse von innen auch nicht besser aus als von aussen. Der Eingangsbereich des Verkaufsraumes, ist ebenfalls mit Gittern gesichert. Irgendwie erinnert mich hier alles an Filmszenen aus dem Film „MadMax“. Da fällt mir ein, wurde der nicht in Australien gedreht?
Wo bin ich hier nur gelandet?
Tanken, zwei Flaschen Wasser gekauft und weiter nach Warakuna, hier soll die Community besser sein. Nach weiteren 100km erreiche ich Warakuna und ja, hier gefällt es mir besser. Auch wenn wieder verschiedene Fahrzeuge zum Roadhouse kommen, scheinen die meisten kein Interesse an mir zu haben. Zu früh gefreut? Aus einem kürzlich angehaltenen 4×4 Landrover steigen vier Erwachsene aus und gehen gezielt in meine Richtung. Schluck! Als die mich jedoch zu einem Wheely animieren, muss ich lachen. An fürchten ist nicht mehr zu denken. Hier tickt die Uhr anders als in Dockers River und ich übernachte in einer wunderschön nach Lineoleum und Desinfektionsmittel riechenden Backpacker Unterkunft, lecker, für günstige 45AUD. Am nächsten Fahrtag erkenne ich die Great Central Road kaum wieder. Für die nächsten 400km hat sie nahezu Autobahncharakter.
Eine breite Piste, gut befestigt mit Wellblech, aber nur wenig Geröll, Schotter oder Sand auf der Fahrbahn.

Kurz vor Tjukayirla erlebe ich eine Überraschung. Die Great Central Road ist hier asphaltiert. Kein Wunder, schliesslich dient sie hier als Flugzeuglandebahn der Flying Doctors. Ich komme sehr gut voran und übernachte ca. 170km nach dem letzten Roadhouse (Tjukayirla) im Bush.

Nach einer der entspanntesten Nächte (ich habe sogar geträumt ;-)) fahre ich die letzten KM durch verspurte Weichsandfelder. Ich geniesse die Fahrt ohne Reifenabrollgeräusche und drifte die letzten KM mit Tempo 90km/h zum Ende der Great Central Road. Wer hätte das gedacht. Am Ende bin ich sogar ein wenig traurig, diese Piste verlassen zu müssen. Das Offroad fahren über diese spannende Piste hat mir doch mehr Freude bereitet, als ich am Anfang dachte. Aber so ist es ja meistens, wenn alles vorbei ist, dann freut man sich über alles, was nicht passiert ist 😉

Weiter geht es für mich nach Fremantle und damit zum Kistenbauer. Ich möchte bereits im Vorfeld mein Moped zeigen und alles besprechen, so dass ich die letzten Wochen nicht mit irgendwelchen kurzfristigen Planungen beschäftigt bin. Zusätzlich hoffe ich, damit meine Sorgen bzgl. der reibungslosen Rückverschiffung zu beseitigen. Anschliessend erkunde ich die Region nördlich von Perth. Bis bald … Stan 😉

Achtung Anekdote:
Australier haben Probleme, meinen Namen auszusprechen. Dementsprechend habe ich eine kleine Brücke gebaut. CAR (wie Auto) und dann einfach STAN. Leider wurde daraufhin das CAR weggelassen und ich wurde nur noch STAN genannt 😉

Die MacDonnellRanges, der Mereenie Loop, der Kings Canyon, der Uluru Nationalpark und die Olgas.


Westlich und östlich von Alice Springs liegen die MacDonnell Ranges. Dieser Gebirgszug erstreckt sich etwa 640km. In den Ranges gibt es wunderschöne Felsschluchten aus rotem Sandstein und Wasserlöcher. Ich habe die MacDonnell Ranges über den Larapinta Trial durchquert. Nach dem Tankstopp und der Zwischenübernachtung in Glen Helen Gonge

(eine Felsschlucht in den MacDonnell Ranges)  ging es weiter auf den Mereenie Loop Drive (Aborigines Land, Permit benötigt)

und damit zum Einstieg auf die asphaltiere Strasse zum Kings Canyon und zum Uluru National Park.

Alles in allem hat mir die Landschaft auf dieser Strecke sehr gut gefallen. Sie ist die schönste und abwechslungsreichste, die ich bisher in Australien gefahren bin. Definitiv ein weiterer Grund, um erneut nach Australien zu kommen.

Beim Kings Canyon habe ich die Nachteile des Reisens mit dem Motorrad erlebt. Bei 41°C im Schatten, wollte ich nicht in Motorradkleidung in den Canyon wandern. Der Rim-Walk (4h) sowie der Kings-Creek Walk (1,5h) sollen aber atemberaubende Einblicke in den Canyon gewähren. Wieder ein Grund 🙂 für eine weitere Reise nach Australien.

Den Uluru-Kata-Tjuta Nationalpark habe ich per Transit durchquert, um so auf die Great Central Road zu kommen. Da ich auf Transit, keinen Parkeintritt bezahlen musste, durfte ich auch nicht die Dinge tun, die man als Tourist macht, nämlich anhalten und fotografieren. Irgendwie hatte ich heute Pech, bis zum Einstieg in die Great Central Road wurde ich mehr oder weniger eskortiert und konnte dementsprechend nur ein paar wenige Bilder des Rock und der Olgas machen. War aber auch gar nicht so schlimm. Ich habe schon so viel schönes in Australien gesehen das mich der Hype und die touristische Infrastruktur des Geländes eher ab- als anzieht.