HPN goes back to Germany


Nach acht Tagen bei Werner fällt es mir schwer weiter zu reisen. Ich habe mich an das Fischerdorf Lancelin und an eine feste Unterkunft mit Bett, Dusche und Kühlschrank gewöhnt. Mittlerweile kenne ich ein paar Leute aus der Stadt, so dass es mir manchmal wie zu Hause vorkommt. Die Frau der „Pharmacy“ treffe ich an der Tankstelle und man tauscht ein paar nette Worte aus. Die Verkäufer(innen) vom Supermarkt erkennen mich wieder und es wird das eine oder andere Wort gewechselt. Alleine schon der Satz – „How are you today?“ – sagt aus, dass man sich öfters und regelmässig im Laden trifft. Am Strand treffe und unterhalte ich mich mit Menschen, welche mich später entweder am Tresen, in einem Geschäft oder der Post wieder treffen. Den Damen des kleinen FastFood-Laden muss ich mittlerweile gar nicht mehr erzählen was ich zwischen den Surfstunden, gerne zu Essen haben möchte. Alles hat sich eingespielt und fühlt sich mittlerweile vertraut an. Und das nach nur ein paar Tagen in Lancelin. Vorteile eines Dorfes im Gegensatz zu dem Leben in einer anonymen Großstadt?
Doch welche Wahl habe ich? Ich muss heute nach Fremantle aufbrechen, um dort mein Carnet abzugeben und um am kommenden Donnerstag einen Termin beim australischen Zoll wahrzunehmen.

Ich wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Stadtbevölkerung Perth, insbesondere an den Wochenenden, auf die Campingplätze der Stadt stürmt und es schwer wird, einen Platz zu finden. Da ich aber einen Platz für die letzten Tage auf dem Motorrad und die ersten Tage im Camper benötige und keine Lust habe, permanent umzuziehen, lag es nah, dem Rat zu folgen und eine Reservierung durchzuführen. Ich habe meinen Platz am Woodmans Point, südlich von Fremantle gefunden. Nicht weit zum Meer (walking distance) und dementsprechend eher ruhig. Dachte ich zu mindestens.

Die Zwischenzeit bis ich das Motorrad abgeben muss verbringe ich mit Wäsche waschen und Wunden lecken. Dann ist er gekommen, der Moment, der zu Beginn der Reise in einem unbekannten und fernen Nebelschleier eingehüllt war. Der Moment, an dem ich mein Motorrad wieder zurück nach Deutschland schicken muss. Achtzig Minuten dauert die letzte Fahrt mit meiner HPN, um durch die morgendliche Rushhour von Perth die ca. vierzig km zur Spedition, welche die Zollabwicklung erledigt, zu fahren. Perth ist die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Western Australia. Die nächstgelegene  größere Stadt Adalaide im Bundesstaat Süd Australien, liegt 2139km entfernt. Damit ist Perth die am weitesten entlegenste Stadt der Welt. Perth ist eine Stadt, deren Bevölkerung sich in den letzten zwanzig Jahren, also seid dem Beginn des „Big Mining Business/Booms“ mehr als verdoppelt hat. In Zahlen heisst das, die Bevölkerung ist von etwa 700.000 auf mittlerweile über 1.700.000 angestiegen. Bei uns, in Deutschland, ist es normal, dass in Großstädten der meiste Wohnraum in Mehrparteien Häusern zur Verfügung steht. Doch diese Art des Wohnens hat sich in Westaustralien noch nicht herumgesprochen. Die Menschen verteilen sich also über eine Fläche von mittlerweile etwa 5400 m2. Ein Vergleich: In Köln leben ca. 1Mio Menschen auf einer Fläche von 405km2 (2486 Einwohner pro km2), in Essen leben ca. 0.58Mio Menschen auf einer Fläche von 210km2 (2732 Einwohnern pro km2) und in Perth leben ca. 1,7Mio Menschen auf einer Fläche von 5400m2 (308 Einwohner pro km2). Was für uns Deutsche Wohnungen sind, sind für den Australier 3 or 4 bedroom houses. Dementsprechend ist die Stadt eine Aneinanderreihung von freistehenden Einfamilienhäusern. Leider ist die Infrastruktur nicht entsprechend dem Anstieg der Bevölkerung angewachsen bzw. entwickelt. Es gibt keine ordentliche Anbindung, um aus den äusseren Bereichen der Stadt (da wo die meisten Menschen wohnen) in de Arbeitszentren der Stadt zu kommen Fahrgemeinschaften sind ebenso unbekannt wie in Deutschland

So gibt es immer noch eine Vielzahl von Fahrbahnverengungen, die den Verkehr nahezu zum Erliegen bringen.  Auch wenn viel Geld investiert und entsprechend viel Aufwand betrieben wird, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis sich die Verkehrssituation um und in Perth verbessert.

Ich habe mich aber in Fremantle, welches eine selbstständige Stadt, aber irgendwie zu Perth gehört, einquartiert.
In der Stadt Fremantle befindet sich der C.Y.O‘Connor Hafen, welcher der eigentliche Frachthafens Westaustraliens und von Perth ist. Aus diesem Hafen wird mein Motorrad zurück nach Deutschland verschifft.

Das Motorrad wurde endlich nach sechs stündiger Wartezeit durch den australischen Zoll (der Zöllner hat italienische Vorfahren, was ich jetzt aber nicht weiter kommentieren möchte) abgefertigt und ich musste mit dem Camper zurück zum Campingplatz. Noch ein letzter Schulterblick auf das zuverlässige und lieb gewonnene Motorrad und zurück ging es zum Woodmans Point in Fremantle.
Die letzte Aktion des Motorradabenteuers Terra Australis war dann das komplette Motoradgepäck in den Camper zu verladen und damit alles für den Rücktransport vorzubereiten. Ab diesem Moment geht es mit dem Camper weiter…mal sehen wie schnell ich die HPN vermissen werde. Auch wenn das Motorradabenteuer damit beendet ist, werde ich über die weiteren Dinge, die ich in Australien erleben werde weiter berichten. Ich freue mich, wenn ein paar von Euch dabei bleiben und weiter mit mir durch das unbekannte Land im Süden reisen. Doch zuerst noch ein paar Eindrücke aus und Informationen über Fremantle. Fremantle ist eine schöne kleine Stadt, in der einige historische Gebäude von Gefangenen der Kolonialzeit errichtet wurden. Dazu zählt insbesondere das Fremantle Prision, was heute das wichtigste Kulturerbe des Landes Western Australia ist.

Ich, alter Kulturbanause, habe mich aber lieber dem Jetty, der Brauerei Little Creatures und dem Ferris Wheel gewidmet.

 

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6 Antworten zu “HPN goes back to Germany

  1. Hm… Mit einer Träne im Knopfloch geht Deine Maschine wieder zurück. Wünsche Dir aber noch ein paar schöne Tage mit Deinem Camper. Wird bestimmt auch toll werden!!!

    • Hi Aenki. Jep, war ne GROßE Träne. Dennoch geniesse ich gerade die Zeit in dem Camper. Der TreeTopWalk und Esperance sind weitere Highlights auf meiner Reise, wenn auch, ohne Motorrad. Bis bald

  2. ….alles hat ein Ende….! Ich wünsche Euch einen wunderschönen Urlaub – jetzt mit Dach über den Rädern :-). Liebe Grüße und gute Erholung!

  3. Hi Stan

    Da hilft jetzt nur: Scheiben runterkurbeln, Gebläse auf volle Pulle und Fahrtwind simulieren.
    Auch wenn nun 2 Räder zuviel unterm Hintern sind, genieße die Tour.
    Gruß aus dem frühlingshaften Hessen

  4. Oh, die Zeit mit dem Bike, das alleinsein…nun vorbei und dafür hast Du Janine endlich da, bin gespannt wie es Euch Beiden nun zusammen dort geht ; ) liebe Grüße auch an Janine !

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