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WDAE – Tag 2: Freiheit zwischen Bergen und Schotter


Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch

Am Morgen werden wir von einem ungewöhnlichen Geräusch geweckt. Irgendetwas, das wir zunächst überhaupt nicht einordnen können. Es klingt, als würden Steine einen Berghang hinunterrollen, dann wieder wie das Knacken von etwas unglaublich Schwerem.

Ein nicht einzuordnendes Geräusch, als rollen Steine einen Berghang runter

Mit einem ratlosen Schulterzucken stehen wir auf – und ich erfülle mir endlich einen kleinen Wunsch. Heute werde ich unsere Außendusche testen. Und das an einem Ort, der schöner kaum sein könnte: strahlend blauer Himmel, glasklare Luft und eine Kulisse, die selbst auf Fotos kaum zu glauben wäre.

Gesagt, getan. Wenig später stehe ich mit Duschgel und Handtuch – und ansonsten so, wie Gott mich geschaffen hat – vor unserer Außendusche und drehe den Wasserhahn auf. Natürlich bietet unser Camper auch hier jeden erdenklichen Luxus. Nicht nur die Stärke des Wasserstrahls lässt sich einstellen, sondern sogar die Wohlfühltemperatur.

Die Mücken, die bereits um mich herumschwirren, versuche ich konsequent zu ignorieren. Stattdessen kann ich mir unter der herrlich erfrischenden Dusche sogar ein kleines Lied nicht verkneifen.

Ich genieße diesen Moment in vollen Zügen. Absolute Ruhe. Kein Verkehr, keine Menschen – nur das leise Rauschen des Windes und der Blick auf die umliegenden Berge.

Genau für solche Orte sind wir auf den Dempster Highway gekommen.

Wie soll das heute eigentlich noch getoppt werden?

Überraschungsbesuch auf vier Beinen

Gerade als ich den Wasserhahn zudrehe, ruft JD plötzlich aus dem Alkoven. „Ich hab’s! Ich weiß jetzt, was das für ein Geräusch war!“

Sie zeigt auf den gegenüberliegenden Berghang und ich traue meinen Augen kaum.

Eine ganze Gruppe Dall-Schafe (oder Bergschafe) steigt langsam den steilen Hang hinab und löst dabei immer wieder kleinere Gerölllawinen aus. Genau dieses Geräusch hat uns heute Morgen geweckt.

Dall-Schafe im steinigen Steilhang

Kurz denke ich noch: Hoffentlich kommen die alle heil unten an.

Doch dann marschieren die ersten Tiere tatsächlich in unsere Richtung.

Wir verstummen und sagen kein Wort mehr. Wir stehen einfach nur da und möchten die Tiere weder verunsichern noch vertreiben.

Doch was müssen wir für ein Bild für die Dall-Schafe abgegeben haben? Eine Person im Schlafanzug – und die andere im klassischen Adamskostüm.

Die Tiere ziehen in aller Ruhe an uns vorbei, und wir genießen einfach diesen besonderen Moment.

Mit einem Schlag sind sowohl die unzähligen Mücken als auch der Staub vergessen, den wir gestern Abend noch stundenlang aus unserer Wohnkabine entfernt haben.

Dall-Schafe – kaum zu erkennen
Einer muss die Truppe ja anführen
Dall-Schafe die letzte

Gorilla Tape gegen den Dempster-Staub

Bevor wir aufbrechen, versuche ich noch einmal, unsere Wohnkabine etwas besser abzudichten. Mangels Werkzeug und geeigneter Dichtmaterialien müssen allerdings wieder ein Bettlaken und unser inzwischen heiß geliebtes Gorilla Tape herhalten. Das Bettlaken soll den eindringenden Staub möglichst im vorderen Bereich der Kabine halten während das Gorilla Tape von außen auf die Türdichtungen geklebt wird.

Ob das wirklich hilft? Ich habe arge Zweifel – aber wir werden es heute Abend genau erfahren.

Der Versuch den Staub im vorderen Bereich der Kabine zu halten

Rostrote Flüsse und der Engineer Creek

Kurz darauf setzen wir unsere Fahrt fort. Der Dempster Highway führt weiter durch gewaltige Täler. Immer wieder fallen uns rostrot schimmernde Flüsse und Uferbereiche auf, die vom Schmelzwasser gespeist werden.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir den Engineer Creek.

Schon von Weitem fällt seine ungewöhnliche Farbe auf. Der Grund dafür ist weder Bergbau noch eine Verschmutzung, sondern die Geologie der Ogilvie Mountains. Eisenhaltige Gesteine verwittern hier seit Jahrtausenden. Gelangt das gelöste Eisen mit Sauerstoff in Berührung, oxidiert es – praktisch wie rostendes Metall – und färbt Bachbett und Wasser in ein intensives Orange-Rot.

Ein faszinierendes Naturschauspiel, das perfekt zur rauen Landschaft des Dempster Highways passt.

Und nicht nur das.

Auch hier treffen wir erneut auf eine Gruppe Dall-Schafe. Langsam beginne ich zu glauben, dass wir heute einen besonders guten Draht zur Tierwelt haben.

Der Engineer Creek

Dall-Schafe am Engineer Creek

Der Engineer Creek selbst wirkt eher unscheinbar, spielte beim Bau des Dempster Highways jedoch eine wichtige Rolle. Während der Bauarbeiten in den 1950er- und 1960er-Jahren befand sich hier eines der Baustellenlager der Ingenieure – daher auch der Name. Der nahe gelegene Campground erinnert noch heute an diese Zeit und dient vielen Reisenden als letzter Übernachtungsplatz vor Eagle Plains.

Über den Ogilvie Ridge

Kurz darauf gewinnen wir deutlich an Höhe. Der Dempster Highway führt über den Ogilvie Ridge, einen Höhenzug der Ogilvie Mountains. Von hier oben eröffnet sich einer der ersten wirklich spektakulären Ausblicke der gesamten Strecke.

Links und rechts erstrecken sich scheinbar endlose Gebirgszüge. Dazwischen liegen breite Täler und unzählige Flussläufe. Straßen, Häuser oder Stromleitungen sucht man vergeblich.

Hier wird einem erneut bewusst, wie riesig und gleichzeitig menschenleer der Norden Kanadas tatsächlich ist.

Unsere Gehirne scheinen diese Dimensionen gar nicht richtig verarbeiten zu können. Immer wieder halten wir an kleinen Aussichtspunkten an. Nicht nur, um Fotos zu machen, sondern einfach, um diese Landschaft auf uns wirken zu lassen.

Die Weite der Ogilvie Ridge können wir kaum erfassen
Ogilvie Ridge

Eagle Plains – eine Oase mitten im Nichts

Am Nachmittag taucht schließlich Eagle Plains am Horizont auf.

Von einer Stadt kann allerdings keine Rede sein. Eagle Plains besteht im Wesentlichen aus einer Lodge, einer Tankstelle, einigen Werkstätten, Unterkünften und einem kleinen Campingplatz.

Der Ort wurde Ende der 1970er-Jahre speziell zur Versorgung des Dempster Highways errichtet. Er liegt ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Dawson City und Inuvik und ist damit der einzige ganzjährig betriebene Versorgungsstützpunkt auf rund 740 Kilometern Straße.

Für viele Reisende ist Eagle Plains deshalb weit mehr als nur eine Tankstelle. Es ist die letzte Gelegenheit, Kraftstoff, Lebensmittel oder Hilfe zu bekommen, bevor es weiter in die noch deutlich abgelegenere Tundra geht.

Eagle Plains – die vielleicht wichtigste Versorgungsstation auf dem Dempster

Gerade im Winter, wenn Temperaturen von unter –50 °C erreicht werden, hat Eagle Plains eine enorme Bedeutung. Ohne diesen Stützpunkt wäre der Dempster Highway kaum ganzjährig befahrbar.

Natürlich nutzen auch wir die Gelegenheit und füllen unseren Dieseltank auf.

An der Zapfsäule bleibt mir allerdings kurz die Luft weg:

2,99 CAD pro Liter.

Ich hatte zwar mit hohen Preisen gerechnet – schließlich muss jeder Liter Kraftstoff über Hunderte Kilometer hierher transportiert werden – trotzdem muss ich erstmal schlucken. Während der Tank langsam vollläuft, entdecken uns gleichzeitig die eigentlichen Bewohner von Eagle Plains:

!Mücken!

Innerhalb weniger Minuten entwickelt sich das Tanken zu einer Art Extremsport. Mit der einen Hand halte ich den Zapfhahn fest, mit der anderen versuche ich verzweifelt, die Angreifer von Gesicht, Armen und Beinen fernzuhalten.

Gewonnen haben am Ende eindeutig die Mücken.

Der Tank ist zwar voll, dafür zähle ich deutlich mehr neue Stiche, als mir lieb ist.

Rückblickend waren die fast drei Dollar pro Liter vermutlich sogar das kleinere Übel.

Feinstaub gewinnt immer

Nach der Tankpause fahren wir noch einige Kilometer weiter. Hinter Eagle Plains wird der Verkehr schnell wieder weniger – wobei “weniger” auf dem Dempster Highway ohnehin relativ ist.

Schließlich finden wir einen kleinen Stellplatz auf einem ehemaligen Straßenbauplatz etwas abseits der Strecke und lassen den Tag ausklingen.

Die Sonne steht noch lange über den Bergen und taucht die Landschaft in ein warmes Abendlicht.

Wenn da nur nicht die Mücken und dieser allgegenwärtige Staub wären.

Der Staub hat unseren Camper inzwischen endgültig erobert.

Mit Bettlaken und Gorilla Tape entsteht zwar eine improvisierte Verteidigungslinie gegen den feinen Dempster-Staub – sie hält allerdings nur das Gröbste zurück.

Feinstaub am Kühlschrank
Feinstaub sogar bis hinten in den Alkoven. Der Sonnenstrahl macht ihn Sichtbar

Hinter jedem Camper entsteht während der Fahrt ein großer Unterdruckwirbel. Auf Schotterstraßen wie dem Dempster Highway sammelt sich dort der aufgewirbelte Feinstaub. Schon kleinste Undichtigkeiten an der Hecktür reichen aus, damit der Staub in die Wohnkabine gelangt. Wirklich helfen würde da nur eine Überdruckanlage, die den Innenraum leicht unter Druck setzt und den Staub zuverlässig draußen hält.

Ham wa abba nich und kriegen wir auch nich.

Also bleibt uns wohl bis wir wieder in Dawson sind nichts anderes übrig, als jeden Abend den Camper zu entstauben und morgens die Türen erneut großzügig mit Gorilla Tape abzukleben. Doch selbst das hilft nichts gegen die Mücken – irgendwie müssen die Drecksviecher noch einen weg in unseren Camper finden. Aber das Schlupfloch werde ich auch noch finden. Die Viecher gönnen uns heute definitiv keinen romantischen Sonnenuntergang vorm Fahrzeug, sondern geben uns endgültig den Rest.

Also kümmern wir uns ein letztes Mal um den Staub in unserer Wohnkabine, freuen uns auf den morgigen Polarkreis – und verschwinden ins Bett.

Gute Nacht.

🐑 Ein kleines Dall-Schaf-Suchspiel für Helena & Ronja

Helena und Ronja – jetzt seid ihr dran! 😊

Auf den nächsten beiden Bildern haben wir Dall-Schafe entdeckt. Aber wir verraten natürlich nicht, wie viele es sind.

🔎 Warum ist das gar nicht so einfach?

Dall-Schafe sind echte Meister der Tarnung. Ihr schneeweißes bis leicht gräuliches Fell passt im Gebirge perfekt zu hellen Felsen, Geröll und den letzten Schneefeldern. Schon aus wenigen Metern Entfernung verschmelzen sie förmlich mit ihrer Umgebung. Genau das ist ihr großer Vorteil: Wenn Wölfe, Bären oder Adler auf Nahrungssuche sind, werden die Schafe viel später entdeckt – manchmal sogar gar nicht. So gewinnen sie wertvolle Zeit, um auf die steilen Felsen zu flüchten. Dort sind sie mit ihren trittsicheren Hufen den meisten Jägern deutlich überlegen.

Also schaut ganz genau hin! Vielleicht entdeckt ihr sogar Schafe, die wir beim ersten Blick fast übersehen hätten. Und – vielleicht frag ihr eure Mama oder euren Papa. Gemeinsam macht suche doch noch viel mehr Spaß, oder?

🐑 Helena: Suche auf Bild 1 alle Dall-Schafe und schreibe die Anzahl in die Kommentare.

Bild 1 für Helena: Puh, ganz schön schwierig. Viel Spaß beim Finden!

🐑 Ronja: Deine Aufgabe ist Bild 2. Zähle dort alle Dall-Schafe und verrate uns ebenfalls in den Kommentaren, wie viele du gefunden hast.

Bild 2 für Ronja: Schau ganz genau hin – Du schaffst das – da bin ich mir ganz sicher!

🎁 Wenn ihr die richtige Anzahl erratet, wartet beim nächsten Wiedersehen eine kleine Überraschung auf euch.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Suchen und drücken euch beide die Daumen. Mal sehen, wer das schärfere Adlerauge hat! 👀🐑

Und hier habt ihr schon eine kleine Vorfreude … Sehen die beiden nicht toll aus?