Tagesarchiv: 1. September 2026

WDAE – Drei Stunden bis zum Dach der Welt, bitte.


Unser letzter Tag in Dawson City ist angebrochen.
Ein letztes Mal im General Store die Lebensmittelvorräte auffrischen. Ein letztes Mal hier tanken. Ein letztes Mal durch die Straßen fahren und den Geruch dieser faszinierenden Stadt einatmen.

Während wir über die Front Street Richtung Fähranleger fahren, stellt sich bei mir jedoch ein wehmütiges Gefühl ein. Eigentlich müsste ich zufrieden sein. Wir waren mehrere Tage in Dawson, haben Goldfelder gesehen, eine Dredge besucht, sind durch die Straßen gelaufen, haben Reifen wechseln lassen, erstaunlich viel gegessen und ich habe sogar erfolgreich eine Begegnung mit Monica Beets versemmelt.

Man könnte also durchaus behaupten: Dawson erledigt und erlebt.

Nur fühlt es sich überhaupt nicht so an.

Es sind noch Dinge offen geblieben. Ich habe noch nicht alles gesehen, noch nicht alle Geschichten gefunden und mit diesem Ort irgendwie noch nicht abgeschlossen. Doch für lange Abschiede habe ich heute keine Zeit.

Je näher wir dem Fluss kommen, desto weiter muss ich Dawson hinter mir zurück lassen. Aus dem Abschied wird ein Aufbruch. Die Wehmut bleibt – aber sie bekommt Gesellschaft.

Und so fahre ich uns weiter Richtung Hafen, dort wo die Georg Black Ferry liegt. Sie soll uns über den Yukon River bringen – hinüber auf die andere Seite, Denn genau vor uns beginnt damit bereits das nächste Kapitel unserer Reise. Der Top of the World Highway – eine Straße, die ihrem Namen nicht nur alle Ehre machen will, sondern uns buchstäblich hinauf auf das Dach der Welt führen soll. Und irgendwo hinter diesem Dach wartet die Grenze und damit Alaska auf uns.

Ja, genau das ist unser heutiger Plan. Einfach nur auf die andere Seite und später einen ruhigen Schlafplatz finden. So simpel – so trivial.
Allerdings, so können wir heute sagen, funktionieren auf Reisen ja alle Pläne immer ganz hervorragend. Also zumindest so lange, bis sie auf die Realität treffen.

Eine Fähre als Teil des Highways

Die George Black Ferry ist übrigens kostenlos. Nicht, weil man in Dawson beschlossen hätte, grundsätzlich besonders großzügig zu handeln, sondern weil die Fähre ganz offiziell Bestandteil der öffentlichen Straßeninfrastruktur des Yukon ist. Betrieben und finanziert wird sie nämlich von der Regierung des Yukon.
Im Grunde ersetzt sie aber schlicht die Brücke, die es über den Yukon River an dieser Stelle bis heute nicht gibt.
Das System ist dabei eigentlich denkbar einfach:
Highways and Public Works schreibt auf der offiziellen Webseite der Fähre: „Users line up on a 1st-come, 1st-served basis. There are no reservations“, also: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – es gibt keine Reservierungen. Gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass RVs und andere größere Fahrzeuge bei stärkerem Verkehrsaufkommen durchaus länger warten müssen.
Was auf dem Papier wie ein kleiner organisatorischer Hinweis klingt, hat allerdings in unserer heutigen Feldstudie am Yukon zu einem etwas differenzierten Ergebnis geführt.
Und genau an dieser Stelle beginnt unsere heutige Geschichte eigentlich erst richtig.
Denn wir sollten feststellen, dass sich eine „1st-come, 1st-served basis“ offenbar durchaus kreativ interpretieren lässt.
Die Überfahrt über den Yukon River sollte lediglich ein kleiner Übergang auf unserem Weg zum Top of the World Highway werden.
Auf die Fähre fahren, ein paar touristische Fotos von Dawson machen, kurz den Yukon überqueren und auf der anderen Seite weiterfahren.

Die George Black Ferry im Einsatz

Ganz unten in der Nahrungskette

Die zuvor beschriebenen Regeln sind für uns vollkommen nachvollziehbar.
Commercial Vehicles sollten Priorität haben. Danach der lokale Verkehr. Und irgendwann, ganz am Ende der Nahrungskette, natürlich auch die lieben RVs und größeren Fahrzeuge.

Können wir sehr gut mit leben.

Wer hier arbeitet oder auf die andere Seite muss, weil er dort wohnt, oder schnell verderbliche Waren fährt, der soll selbstverständlich zuerst fahren.
Ärgerlich wird die Sache nur, wenn beispielsweise ein Pärchen in einem als Reisemobil umgebauten blauen Sprinter mit deutschem Kennzeichen einfach in die Warteschlange der normalen PKW fährt, die RV and Larger Vehicle Line vollkommen ignoriert und weniger als zehn Minuten später vor dem einzigen bereits seit über einer Stunde wartenden Camper – in diesem speziellen Fall uns natürlich – auf der Fähre steht.

Lasst es mich so formulieren:

Wenn diese Fähre für uns heute nicht die einzige realistische Möglichkeit gewesen wäre, auf die andere Seite des Yukon zu gelangen, hätte ich vermutlich einen kurzen Moment darüber nachgedacht, den Sprinter mitsamt der Fähre zu versenken.

Aber mich lässt so etwas mittlerweile vollkommen kalt.

Wir reisen schließlich.
Wir machen keinen Urlaub.

Okay, vielleicht habe ich dann doch etwas länger über das Versenken nachgedacht, als es einem geistig gesunden Menschen guttun dürfte. Doch leider hatte diese durchaus befriedigend klingende Problemlösung einen entscheidenden Nachteil.

Ohne Fähre hätten wir selbst auch ein Problem gehabt.
Dann nämlich hätten wir zurück über Whitehorse und anschließend über den Alaska Highway fahren müssen, um irgendwann Alaska zu erreichen. Ein kleiner, nicht völlig unbedeutender Umweg von ungefähr 1.200 Kilometern. Und dann wären wir gerade einmal in Tok gewesen – ohne auch nur einen einzigen Meter des Top of the World Highway gesehen zu haben.

Da wir den aber, allein schon wegen seines so toll abenteuerlich klingenden Namens, noch erleben wollten, kämen noch einmal grob 300 Kilometer hin und 300 Kilometer zurück dazu.
Also musste ich den Gedanken, den Sprinter samt Pärchen im Yukon zu versenken, leider wieder verwerfen.

Manchmal scheitern selbst die besten Ideen schlicht an der Logistik.
Aber vielleicht, denke ich mit einem leichten dämonischen Grinsen im Gesicht, ergibt sich ja später noch die Gelegenheit, mich auf meine ganz eigene Art zu bedanken – mit einer ordentlichen Staubwolke und vielleicht einem kleinen Steinchen, das beim Rechtsüberholen zufällig aus unserem Reifenprofil in deren Richtung fliegt.
Vielleicht.

Warten lohnt sich – nur für wen?

Wartezeiten haben nicht nur schlechte Seiten. Nein, weit gefehlt – sie haben sogar etwas Gutes. Solltet ihr euch jetzt fragen: „Was um Himmels willen hat der denn schon wieder gesoffen? Warten ist doch ungefähr so unterhaltsam wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung“, dann kann ich euren Einwand durchaus nachvollziehen.
Und ganz ohne Witz: So eine lange Wartezeit hat tatsächlich auch ihre guten Seiten.

Das wirklich Gute an langen Wartezeiten ist nämlich, dass man plötzlich etwas hat, das sonst im Alltag chronisch knapp ist:

Man hat Zeit.

Also sehr viel Zeit – bzw. muss diese leider oft nicht ganz freiwillig aufwenden.

Man hat Zeit zum Beobachten. Zeit zum Nachdenken. Zeit, um sich über andere Menschen aufzuregen. Zeit, um sich anschließend vorzunehmen, sich nicht mehr aufzuregen. Und natürlich genug Zeit, diesen Vorsatz ungefähr drei Minuten später wieder über Bord zu werfen.

Vor allem aber hat man Zeit, Dinge zu erleben, die man sich selbst mit reichlich Fantasie und einer bedenklichen Menge Alkohol kaum ausdenken könnte. Das sind die Geschichten, die nur das Leben schreiben kann.

Denn während wir dort standen und warteten, entwickelte sich unser Aufenthalt am Fähranleger langsam von einer simplen Überfahrt zu einem überraschend umfangreichen Unterhaltungsprogramm. Ich frage mich nur bis heute – für wen eigentlich eigentlich?

Die Klondike Spirit – das einzig noch betriebene Paddlewheeler im Yukon
Die Tour fahrt von Dawson nach Moosehide und am Paddlewheel Graveyard vorbei
Wartezeit lohnt – Wasserflugzeug im Anflug auf Dawson

Erd- und Verdichtungsarbeiten inklusive

Nachdem der Ärger um den Sprinter etwas verpufft war, durften wir uns direkt auf eine weitere Wartezeit einrichten. Die Zufahrt zu unserer Fähre musste neu befestigt und verdichtet werden. Also kam für uns wieder keine Überfahrt infrage, dafür aber ein Radlader, welcher Erde und Schotter umlagerte, planierte und den Boden des Fähranlegers verdichtete. Denn der ist hier nicht etwa betoniert, nein, er besteht weitgehend aus verdichtetem Gestein und muss entsprechend regelmäßig ausgebessert werden.

Nachdem unsere Seite fertig war, musste NUR das Baufahrzeug mit der Fähre auf die andere Seite des Yukon gebracht werden. Um – Überraschung – auch dort die entsprechende Zufahrt zu bearbeiten.

Also dasselbe Spiel gleich ein paar Mal:
Fähre mit Radlader auf die andere Seite.
Radlader runter von der Fähre.
Umlagern, verdichten, planieren.
Radlader wieder rauf auf die Fähre.
Fähre mit Radlader wieder zurück.

Aber wir stehen, wir warten und wir beobachten das ganze.

Dann, nach zweieinhalb Stunden, ist die Fähre plötzlich nur noch wenige Minuten vom Hafen in Dawson entfernt.

Der Radlader im Einsatz

Unsere neu gewonnen kanadische Gelassenheit beginnt zu bröckeln

„Okay“, sage ich zu JD, „jetzt kommt unsere große Stunde. Mach dich schon mal abfahrbereit, die Fähre kommt zurück.“
Wir legen schnell die Sicherheitsgurte an, packen die Snacks nach hinten, falten die Alaska-Straßenkarten, ich starte erneut den Motor und wir sind diesmal in Rekordzeit abfahrbereit.

Die George Black Ferry ist kurz vor dem Hafen in Dawson und unser großer Moment rückt sichtbar näher. Die Stimmung in unserem Fahrzeug ist genau diese Mischung aus Vorfreude, Nervosität und gespannter Erwartung, die sich kurz vor einem besonderen Moment breitmacht. Wir freuen uns, endlich auf die Fähre zu fahren. Denn zweieinhalb Stunden dort zu stehen und dabei zuzusehen, wie die Fähre Fahrzeuge und Passagiere von Dawson auf die andere Seite bringt – darunter offenbar auch Menschen, die einfach nur einmal Fähre fahren wollen – und dieselben Leute fünfzehn Minuten später wieder zurückzubringen, sorgt irgendwann dafür, dass selbst unsere inzwischen recht ausgeprägte kanadische Gelassenheit erste Risse bekommt.

Jetzt gibt es nichts mehr, was uns noch passieren kann, denke ich, als plötzlich von rechts ein Lastkraftwagen anrollt und direkt neben uns mit laufendem Motor stehen bleibt.

Gut, denke ich, schon wieder leicht angespannt. Dann hoffe ich jetzt aber mal, dass sie nicht nur den LKW mitnehmen, sondern uns ebenfalls – und wir nicht noch einmal eine halbe Stunde rumstehen müssen.

Ich starte, davon leicht angespornt, unseren V8 und bin bereit, unseren Warteplatz gegenüber dem Tanklastwagen hart zu verteidigen.

Der Lastwagenfahrer nutzt jedoch ein kleines Aufmerksamkeitsdefizit bei mir und fährt seinen Laster in Richtung Fähre, bevor diese richtig angelegt hat.

Ohne Hinweis der Fährangestellten.

Meine Augen werden groß.

Ich nenne das grob unsportlich und könnte erneut innerlich platzen. Es kribbelt im Fuß und für einen kurzen Moment bin ich tatsächlich versucht, unserem Ford einmal alle 482 Pferde mit deren 1.424 Newtonmetern, die irgendwo unter dieser gigantischen Motorhaube wohnen, nutzen zu lassen, um mich gegen den LKW zu behaupten.

Dann fällt mir wieder ein:

Wir reisen schließlich.
Wir machen keinen Urlaub.

Da ist kein Platz für Stress und Ärger.

Ich schaue leicht verzweifelt und fragend zu JD rüber.
„Die werden den schon wieder zurückschicken. Die Kanadier sind doch bisher immer ziemlich korrekt gewesen.“
Doch dann passiert genau das, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben.
Sie winken doch tatsächlich den LKW weiter zur Fähre und er setzt rückwärts auf das Schiff. Sämtliche anderen wartenden Fahrzeuge bekommen dafür das rote Stoppschild gezeigt.
Ich schaue JD an.
„Was macht der denn jetzt? Will der ein Attentat auf der Fähre verüben?“
„Hoffentlich nicht“, antwortet sie. „Keine Ahnung, was jetzt schon wieder passiert. Also, wenn jetzt nicht bald …“
Dann verstummt sie abrupt.
Ich glaube, ihr ist auch gerade wieder eingefallen, dass wir uns ja vorgenommen hatten, uns nicht mehr aufzuregen.

Das ganze Vorhaben wirkt aber wie mit dem Fährpersonal abgesprochen.
Die Mitarbeiter halten weiterhin sämtliche anderen Fahrzeuge zurück.
Jetzt geht überhaupt nichts mehr.
Es gibt nur noch den Tanklastwagen auf der Fähre.

Habt ihr eine Idee, was hier gerade passiert?
Nein?
Wir nämlich auch nicht.

Zumindest so lange nicht, bis der Fahrer aussteigt, einen dicken Schlauch ausrollt und diesen mit seinem Fahrzeug und der Fähre verbindet.

Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen.

DAS IST EIN TANKWAGEN!“, rufe ich begeistert.

Ich freue mich geradezu darüber, diesen hochkomplexen Sachverhalt so schnell erkannt zu haben und endlich eine Erklärung für dieses merkwürdige Verhalten präsentieren zu können.

JD schaut mich entnervt an. „Echt jetzt?“ Kurze Pause. Dann führt sich fort „Muss die Fähre ausgerechnet jetzt betankt werden?“

Meine Freude über meine kriminalistische Meisterleistung ist damit beendet denn vor meinem inneren Auge sehe ich uns bereits eine weitere Stunde am Fähranleger stehen.

„Kann man das nicht bei irgendeiner anderen Überfahrt machen? Vielleicht später? Vielleicht nachts? Vielleicht grundsätzlich an einem Tag, an dem wir nicht hier stehen?“

Unglücklicherweise wohl nicht.

Hier wird gerade getankt

Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen

Während des Tankvorgangs stupse ich JD an. „Na ja. Jetzt kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.“

Sie schaut mich an.

Dieser Blick hätte mir Warnung genug sein müssen.

„Warte mal ab. Wenn wir beim nächsten Mal wieder nicht mitkommen, dann gehe ich da runter und …“

Den Rest dieses Satzes schreibe ich hier lieber nicht auf. Nicht, dass dieser Reiseblog plötzlich eine Altersfreigabe benötigt.

Jedenfalls hat sie gerade generös ihren Vorsatz, sich nicht mehr zu ärgern, über Bord geworfen und ich bin mir allerdings auch ziemlich sicher, dass ich nichts weiter erklären muss und ihr euch ungefähr vorstellen könnt, in welche Richtung der Satz endete.

Ich versuche, sie zu beruhigen.

„Ach, das kenne ich vom Job. Der Tankwagen pumpt den Kraftstoff da rein. Die haben ordentlich Förderleistung. Das dauert nicht ewig.“ Und tatsächlich. Kurz darauf werden die Schläuche wieder getrennt. Der Tankwagen verlässt den Anleger und die George Black Ferry liegt frisch betankt vor uns.

Jetzt geht es endlich los.

Unser großer Moment ist gekommen.

Ich starte erneut den Motor.

Dieses Mal bin ich fest entschlossen:

Wenn es irgendwie geht, rolle ich einfach nach vorne und stelle mich ein bisschen doof. Das kann ich manchmal erstaunlich gut. Meistens gibt es dafür zwar eine kleine Rüge – aber irgendwie funktioniert es am Ende dann doch.

Wir sind bereit.

Und plötzlich fahren drei Pick-ups an sämtlichen Wartenden vorbei.

Wo kommen die denn jetzt her? – brülle ich los. Die verarschen uns doch.

Meine gerade erst wiedergewonnene Gelassenheit hat sich nun innerhalb von ungefähr 0,3 Sekunden vollständig in Luft aufgelöst.

Ich lege die Automatik auf Drive.

Jetzt reicht es!

Im letzten Moment, bevor ich alle 482 Pferde und 1.424 Newtonmeter zum Trab antreten lasse, erkenne ich allerdings, dass die drei Fahrzeuge überhaupt nicht auf die Fähre wollen.

Sie fahren stattdessen zu den dort abgestellten Mitarbeiterautos. Ich brauche einen kurzen Moment, um die komplette Situation zu analysieren.

Dann wird mir schlagartig klar, was hier gerade passiert.

„JETZT HABEN DIE AUCH NOCH SCHICHTWECHSEL!“, brülle ich.

Was soll denn bitte noch kommen?

  • Der Fähranleger wurde repariert.
  • Das Baufahrzeug wurde übergesetzt.
  • Die andere Fähranleger wurde repariert.
  • Die Fähre wurde betankt.
  • Und jetzt haben die auch noch Schichtwechsel.

Ich trommle aufs Lenkrad.

Meine Contenance ist inzwischen irgendwo zwischen dem blauen Sprinter und den drei Pick-ups verloren gegangen.

Kann man sich so etwas ausdenken?

Mir fehlt die Kreativität dafür. Allerdings kann ich heute, mit etwas Abstand und vor allem deutlich niedrigerem Blutdruck, sagen:
Nein, das geht nicht. Das sind genau diese Geschichten, die das Leben schreibt.

Jetzt aber wirklich

Zum Glück dauert der Schichtwechsel nicht lange. Nach einer erfreulich kurzen Übergabe übernimmt die neue Crew die Fähre.

Doch nun hat meine Frau ihren großen Auftritt.

Also, wenn wir jetzt nicht … dann kann der aber … und danach mache ich …

Ich unterbreche die Wiedergabe an dieser Stelle lieber. Denn plötzlich passiert etwas geradezu Unglaubliches.

Das erste Fahrzeug, das von der neuen Crew auf die frisch betankte, frisch besetzte und rundum betriebsbereite George Black Ferry rollen darf, ist doch tatsächlich ein Truck Camper aus Alberta.

Mit zwei Insassen. Leicht angeschlagen. Mit roten Flecken im Gesicht. Erschöpft aber glücklich.

Nach mehr als drei Stunden Wartezeit rollen wir endlich auf die George Black Ferry.

Die Rampe hebt sich – die Fähre legt ab und Dawson City entfernt sich langsam hinter uns.


Wir sind auf dem Yukon River. Und dahinter befindet sich ein weiterer Straßenabschnitt, auf den ich mich seit Beginn dieser Reise besonders gefreut habe – nicht, weil ich weiß, was da kommt, sondern nur, weil sich schon sein Name wie ein kleines Abenteuer anhört – der Top of the World Highway.

Endlich.

Wir sind on the road again.

Endlich auf der Fähre – wir haben es nah mehr als drei Stunden Wartezeit geschafft!