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Von Prince Rupert über den Yellowhead Highway nach Kitwanga


Prince Rupert ist für viele Reisende das Tor zum Norden von British Columbia. Die Stadt liegt an der Pazifikküste auf Kaien Island und entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als westlicher Endpunkt der Grand Trunk Pacific Railway. Benannt wurde sie nach Prinz Rupert von der Pfalz, dem ersten Gouverneur der Hudson’s Bay Company. Durch ihren eisfreien Tiefwasserhafen entwickelte sich Prince Rupert schnell zu einem wichtigen Umschlagplatz für Waren, Rohstoffe und Fischereiprodukte. Heute hat die Stadt eine große Bedeutung für den Norden Kanadas. Von hier aus werden Güter in alle Welt verschifft, Fähren verbinden die abgelegenen Küstenorte der Inside Passage miteinander, und für uns ist Prince Rupert der Ausgangspunkt für Abenteuer in den Norden von British Columbia, zum Cassiar Highway, in den Yukon oder weiter nach Alaska.

Letzte Vorbereitungen

Ein neuer Tag bricht an. Nach einer überraschend ruhigen Nacht auf einem Rastplatz am Ortsausgang von Prince Rupert beginnt unser Tag mit Einkaufen, Auftanken und den Vorbereitungen für die nächsten Etappen. Wir sind bald in einer Region unterwegs, in der die Versorgungssituation für uns ungewohnt sein wird. Tankstellen und Einkaufsmöglichkeiten liegen teilweise mehrere hundert Kilometer auseinander – dazwischen gibt es oft nur die Straße, einige wenige Parkplätze und kein Mobilfunkempfang.

Doch davor steht noch Diesel tanken und an – eine leider unvermeidliche Notwendigkeit. Doch Fehlanzeige, es gibt keinen Diesel an der Tankstelle. Nix, Nada, Niente und Nothing. Eine erste Überraschung: Wo gibt es heute Tankstellen, die ausschließlich Benzin verkaufen? Mir sind solche bisher nur aus Libyen und Tunesien bekannt. Aber in Kanada? Kennt ihr weitere Länder? Egal – in der gut ausgestatteten Hafenstadt Prince Rupert gibt es schließlich mehrere Alternativen zum Tanken.

No Diesel = No fuel

Einkaufen auf kanadisch: Groß, größer, Familienpackung

Vorher zieht es uns jedoch in einen Supermarkt. Bisher waren wir meist in einem Walmart Supercenter unterwegs, diesmal landen wir jedoch bei Safeway. Und wir werden positiv überrascht. Die Preise liegen zwar etwa 20 Prozent über dem Niveau von Vancouver, dafür erwartet uns ein Supermarkt mit einer beeindruckenden Auswahl an frischen und vorgekochten Speisen. Obst, Gemüse und Früchte gibt es in großer Vielfalt. Das Einkaufen macht hier wirklich Spaß – zumindest, solange man die Preise nicht allzu genau betrachtet. Es duftet angenehm, die Auslagen sind farbenfroh und einladend.

Hier möchten wir Euch gerne einmal mit in einen kanadischen Supermarkt nehmen. Reis in 25-Kilogramm-Säcken, Tomatenketchup in 1,5-Liter-Flaschen oder Eiscreme in 4-Liter-Packungen sind völlig normal. Es gibt die Produkte zwar auch in kleineren Abpackungen doch dann sind die Preise für die kleineren Gebinde oft deutlich teurer als für die Großpackungen. Ergo, Großpackungen sind hier eindeutig der Weg zum Sparen. Naja – dafür ist die Pizza hier wenigstens eckig und nicht rund. Zum Glück verfügen wir über einen großen Kühlschrank, der selbst bei 4-Liter-Milchpackungen nicht an seine Grenzen kommt.

Nachdem wir doch noch Diesel bekommen haben und Schwarz- sowie Grauwasser entsorgt haben, geht es endlich los. Es ist zwar bereits Mittag, doch wir möchten es heute noch bis nach Kitwanga und damit zum Start des Cassiar Highway (Highway 37) schaffen.

Man nehme ein komplettes Weißbrot, schneide es in der Mitte durch und garniere es mit Käse, Salami, Cesar Dressing sowie Salat und schwups hast Du ein kanadisches Sandwich
Nichts für halbe Sachen – 1,5L Ketchup
Kanadischer Maßstab: Reis in 16kg Säcken
Mehl – die 25kg Säcke passten nicht mehr aufs Bild

Der Yellowhead Highway – Lebensader des Nordens

So verlassen wir Prince Rupert ein letztes Mal und folgen zunächst dem Yellowhead Highway (Highway 16) in Richtung Osten. Der Highway ist die wichtigsten Verkehrsader Nord-British Columbias. Er ist Teil des kanadischen Trans-Canada-Highway-Systems und verbindet den Tiefseehafen von Prince Rupert mit dem kanadischen Hinterland mit den Prärieprovinzen und schließlich mit Winnipeg.

Unser nächstes Zwischenziel sind aber nicht die Prärieprovinzen, sondern Whitehorse im Yukon. Bis dorthin liegen jedoch noch rund 1.300 Kilometer vor uns, davon etwa 780 Kilometer auf dem legendären Cassiar Highway.

Also – den kräftigen V8 starten und los geht es.

Und wir sind baff. Wenige Minuten nach der Abfahrt eröffnet sich uns eine völlig andere Welt. Die Straße windet sich auf etwa 800 Meter Höhe hinauf, während wir parallel zur Eisenbahnstrecke fahren. Am Horizont ragen die majestätische, schneebedeckte Berge der Coas Mountains in den Himmel. Der Schnee liegt nicht nur auf deren Gipfeln, sondern zieht sich in den schattigen Bergspalten fast bis auf unsere Höhe hinunter.

Das graue Wasser des Skeena River

Die letzten Reste des Winters schmelzen langsam dahin und speisen zahlreiche Wasserfälle, die an den Berghängen zu Tal stürzen. Wir folgen dem Skeena River, dessen Wasser sich durch die mitgeführten Sedimente in einem grauen Farbton zeigt. Nichts mit türkisfarbenem Schmelzwasser – hier dominiert das Grau des Gletscher“schlamms“. Es begeistert eine besondere Mischung aus Regenwald, Flusstälerm und alpiner Beglandschaft, immer begleitet von der parallel verlaufenden Eisenbahnstrecke über diese Güterzüge mit über zwei Kilometer Länge von drei bis vier Diesellokomotiven gezogen werden.

Spät am Abend erreichen wir unser heutiges Etappenziel, den Radley Park Campground bei Kitimat. Nach den vielen Eindrücken des Tages sind wir froh, einen ruhigen Platz für die Nacht gefunden zu haben.

Der Giant Spruce Park bei Kitamaat, dem Dorf der Haisla People

Der nächste Morgen beginnt wie gewohnt – spät, sehr spät. Da wir heute auf einer Recreation Site übernachten möchten, müssen wir den Campingplatz bereits gegen 11 Uhr verlassen. Für ein ausgedehntes Frühstück bleibt deshalb keine Zeit. Eine Tasse Kaffee muss genügen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.

Unser erstes Ziel des Tages ist der Giant Spruce Park. Hier steht ein besonders beeindruckendes Exemplar der Sitka-Fichte, der größten Fichtenart der Welt. Die Haisla People nennen diesen Baum liebevoll „Su-Su-Kat“. Mit Wuchshöhen von bis zu 90 Metern prägt die Sitka-Fichte gemeinsam mit Zedern und Hemlocktannen die berühmten Regenwälder der Pazifikküste.

Giant Spruce Park

Das Exemplar im Giant Spruce Park ist über 50 Meter hoch und laut Hinweisschild soll der Stammumfang stolze 3,6 Meter betragen. Beeindruckend ist der Baum auf jeden Fall. Erst wenn man direkt danebensteht, wird einem bewusst, welche Dimensionen diese Baumriesen erreichen können.

Auf dem Weg zu „su-su-kat“

Eigentlich möchten wir anschließend noch mehr über die Kultur der Haisla People erfahren und planen einen Abstecher nach Kitamaat Village. Vor Ort fühlen wir uns jedoch nicht wirklich wohl und entscheiden uns deshalb spontan, unsere Reise fortzusetzen. Manchmal sind es genau diese Bauchentscheidungen, die das Reisen ausmachen. Also starten wir den Motor und fahren weiter Richtung Norden.

For SALE – wie so vieles im Dorf der Haisla-People

Spät am Abend erreichen wir Kitwanga. Hier beginnt der Cassiar Highway – eine Strecke, auf die ich mich schon seit langer Zeit freue. Doch darüber schreibe ich im nächsten Artikel mehr.