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WDAE – Das große Warten


Die Inside Passage – Eine der spektakulärsten Küstenrouten Nordamerikas

Die Inside Passage ist ein geschützter Seeweg entlang der Pazifikküste von British Columbia und Alaska und zählt zu den schönsten Küstenrouten Nordamerikas. Der südliche Abschnitt in Kanada verbindet Port Hardy auf Vancouver Island mit Prince Rupert an der Nordküste von British Columbia und führt durch eine Landschaft aus Fjorden, Inseln, Meeresarmen und nahezu unberührter Wildnis.

Die Fährverbindung wird von BC Ferries betrieben und dauert je nach Fahrplan rund 15 bis 17,5 Stunden. Auf der etwa 500 Kilometer langen Strecke verläuft die Route überwiegend durch geschützte Küstengewässer und nicht über den offenen Pazifik. Dadurch bietet sich während der gesamten Überfahrt ein nahezu ununterbrochener Blick auf die Küstenlandschaft.

Zu den Höhepunkten der Route zählen die zahlreichen Inselgruppen der Central Coast, die Ausläufer des Great Bear Rainforest, abgelegene First-Nations-Gemeinden sowie unzählige Buchten, Fjorde und Wasserfälle. Große Teile der Region sind bis heute nicht durch Straßen erschlossen und können ausschließlich per Schiff oder Wasserflugzeug erreicht werden.

Die Gewässer der Inside Passage gehören zudem zu den artenreichsten Küstenregionen Kanadas. Regelmäßig werden Buckelwale, Orcas, Grauwale, Seehunde, Seelöwen und Weißkopfseeadler gesichtet. Mit etwas Glück lassen sich entlang der Küsten auch Schwarzbären oder Grizzlybären beobachten.

Auf der Route kommt unter anderem die Fähre Northern Expedition zum Einsatz. Das rund 150 Meter lange Schiff wurde speziell für die Nordrouten von BC Ferries gebaut und bietet Platz für mehrere hundert Passagiere sowie zahlreiche Fahrzeuge. Zur Ausstattung gehören Restaurants, Aufenthaltsbereiche, Aussichtsdecks und Kabinen für die lange Überfahrt.

Die Kombination aus spektakulären Küstenlandschaften, einer vielfältigen Tierwelt und der Abgeschiedenheit vieler Regionen macht die Inside Passage zu einer der beeindruckendsten Fährverbindungen der Welt und zu einem besonderen Erlebnis an der kanadischen Pazifikküste.

Hoffen auf einen Platz auf der Inside Passage

Am nächsten Morgen gibt es leider noch immer keine neuen Nachrichten von BC Ferries. Bereits mehrere Monate vor unserem Abflug aus Deutschland wollten wir die Fährverbindung von Port Hardy (Bear Cove) nach Prince Rupert buchen. Doch die Überfahrt war ausgebucht. Keine Kabinen, keine Fahrzeugplätze – lediglich wir als Fußpassagiere hätten noch mitreisen können. Mit unserem Truck Camper ergibt das allerdings wenig Sinn.

Dabei hätte uns diese Route die Möglichkeit geboten, direkt im Norden von British Columbia zu starten und gleichzeitig eine der schönsten Fährpassagen Nordamerikas zu erleben.

Doch wir geben nicht so schnell auf. Dank unserer zeitlichen Flexibilität lassen wir uns für mehrere Termine auf die Warteliste setzen. Nun erfahren wir, dass wir für einen Termin bereits auf Platz drei stehen. Die Empfehlung von BC Ferries – einfach nach Port Hardy fahren und auf einen frei werdenden Platz hoffen.

Das klingt zunächst vielversprechend. Im schlimmsten Fall bedeutet es für uns jedoch drei verlorene Tage und rund 700 Kilometer Fahrt umsonst.

Nach kurzem Zögern fassen wir einen Entschluss: Wir fahren nach Port Hardy und hoffen auf unser Glück.


Long Beach im Nebel

Was wir auf dem Hinweg ausgelassen haben, holen wir nun nach. Unser letzter Zwischenstopp an der Westküste führt uns zum berühmten Long Beach.

Long Beach ist der bekannteste Strand auf Vancouver Island und das Herzstück des Pacific Rim National Park Reserve zwischen Tofino und Ucluelet. Mit rund 16 Kilometern Länge ist er der längste Sandstrand des Nationalparks. Anders als viele andere Strände an der kanadischen Westküste besteht er aus breiten Sandflächen, auf denen man kilometerweit spazieren kann. Bei Ebbe entstehen riesige Spiegelungen und kleine Gezeitentümpel. Nur wenige Schritte vom Strand entfernt beginnt der gemäßigte Küstenregenwald mit seinen bekannten Rainforest Trails.

Für uns bleiben diese Wanderwege leider verborgen. Mit unserem Truck Camper dürfen wir nicht auf die entsprechenden Parkplätze fahren, und eine längere Wanderung passt nicht mehr in unseren Zeitplan.

Dafür erleben wir Long Beach in dichtem Nebel. Ein faszinierender Anblick, der mich sofort an „Der Nebel des Grauens“ erinnert. Macht euch gerne im Video selbst ein Bild davon. Was habt ihr beim Anschauen empfunden? Woran hat euch diese Stimmung erinnert? Schreibt es gerne in die Kommentare.


Der lange Weg in den Norden

Verdammt – war das eine anstrengende Fahrt.

Die Straßenführung und das hügelige Gelände lassen keine hohen Geschwindigkeiten zu. Unsere erste Nacht verbringen wir auf einem kleinen Rastplatz an dem Highway 19A. Die Strecke gilt als langsamere, dafür deutlich schönere Alternative zum Highway 19 und führt immer wieder direkt am Wasser entlang.

Wir stehen frei und genießen die Vorteile unseres autarken Campers. Allerdings ist Freistehen auf Vancouver Island längst nicht überall möglich. Wenige Straßen, wenige Stellplätze und sehr viele Touristen haben dazu geführt, dass das Übernachten an vielen Orten inzwischen verboten ist.

Umso mehr freuen wir uns darüber, dass die verbliebenen Stellplätze meist sauber und gepflegt sind. Bisher haben wir immer einen Platz gefunden.

Je weiter wir nach Norden fahren, desto häufiger hören wir, dass die Menschen gegenüber Campern entspannter und verständnisvoller sein sollen. Mal sehen, ob sich das bestätigt.


Exkurs – Return-It – Das kanadische Pfandsystem

Vor den letzten Kilometern nach Port Hardy steht noch eine besondere Aufgabe an: Pfandflaschen zurückbringen.

Das Pfandsystem in British Columbia ist deutlich umfangreicher als in Deutschland. Fast alle Getränkebehälter – von Wasser und Softdrinks über Milch bis hin zu Bier, Wein und Spirituosen – werden mit einem Pfand belegt.

So funktioniert das System

Pfand beim Kauf

Für die meisten Getränkebehälter werden zehn Cent Pfand berechnet. Einige Verpackungen, beispielsweise bestimmte Glasflaschen, können etwas höhere Beträge aufweisen.

Recyclinggebühr (CRF)

Zusätzlich fällt häufig eine Recyclinggebühr von sieben Cent an. Diese wird nicht zurückerstattet und dient der Finanzierung des Recyclingsystems.

Rückgabe im Return-It Depot

Leere Behälter müssen ausschließlich zu speziellen Return-It-Depots gebracht werden.

Pfanderstattung

Das Pfand wird dort zurückerstattet. Teilweise erfolgt die Auszahlung bar, teilweise als Gutschrift auf ein Konto.

Auch wenn das System grundsätzlich gut funktioniert, gefällt mir die deutsche Lösung deutlich besser. In Deutschland nimmt praktisch jeder Händler die Flaschen zurück, die er verkauft. Bequemer geht es kaum.

Return-It – Das kanadische Pfandsystem

Der grüne Tunnel nach Port Hardy

Nachdem wir unsere Vorräte ergänzt und die Pfandflaschen abgegeben haben, starten wir zur letzten Etappe.

Die Strecke von Campbell River nach Port Hardy wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Über weite Teile führt sie durch dichten Wald. Tatsächlich vermittelt sie jedoch bereits einen ersten Vorgeschmack auf den Yukon oder Alaska.

Bei Sayward – Mitten in der grünen Hölle

Vorbei an Orten wie Sayward, Woss und Port McNeill fahren wir immer weiter nach Norden. Die letzten 236 Kilometer ziehen sich gewaltig. Nach etwa 100 Kilometern durch den endlosen grünen Tunnel kämpfe ich zunehmend mit der Müdigkeit.

Die Rettung: Musik.

Während ich lautstark meine Lieblingslieder mitsinge und JD tapfer leidet, erreichen wir schließlich Port Hardy.

Die Stadt lebt von Fischerei, Forstwirtschaft und der Versorgung abgelegener Küstenregionen. Sie wirkt rauer, ärmer, aber gleichzeitig ursprünglicher und authentischer als Orte wie Victoria oder Tofino.

Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, wirklich am Rand der Wildnis angekommen zu sein.

Unsere Freunde der Landstrasse

Die Nacht der Entscheidung

Im Hafen folgt zunächst die Ernüchterung.

Kein Platz.

Wir sollen am nächsten Morgen um fünf Uhr wiederkommen und uns in die Nachrückerschlange einreihen.

Also stehen wir im Morgengrauen als Erste in der Warteschlange und hoffen weiter.

Hoffen auf ein Fährticket
Die ersten in der Nachrückerschlange

Kurz vor sieben Uhr dann die Erlösung:

„Beeilt euch! Kauft schnell eure Tickets. Es ist noch Platz für euer Fahrzeug!“

Wir können unser Glück kaum fassen.

Schnell zum Schalter, bezahlen, zurück zum Camper – und wenige Minuten später rollen wir als letztes Fahrzeug auf die Fähre. Kaum stehen wir auf dem Fahrzeugdeck, schließt sich hinter uns die Heckklappe.

Geschafft!

Vor uns liegen 17,5 Stunden auf einer der schönsten Fährstrecken Nordamerikas.

Wieviel Glück kann man haben?
Das letzte Auto auf der Fähre

Wieviel Glück kann man haben?

Kaum an Bord, folgt bereits die nächste Herausforderung.

„Jetzt brauchen wir nur noch eine Kabine“, sage ich zu JD und stelle mich in die Warteschlange. Die erste Auskunft ist ernüchternd: Alles ausgebucht. Mit hängendem Kopf gehe ich Richtung Frühstücksbuffet.

In der Warteschlange – wenig Hoffnung auf eine Kabine

Gerade als ich mein Tablett in die Hand nehme, ertönt eine Durchsage:

„Mr. CarSTAN, please report to reception.“

Dort wartet tatsächlich die letzte freie Kabine des Schiffes auf uns – eine barrierefreie Außenkabine.

Wieviel Glück kann man eigentlich haben?

Das Schiff ist komplett ausgebucht, doch wir verfügen plötzlich über mehr Platz als viele andere Passagiere. Während der Fahrt beobachten wir Wale, Seehunde und sogar Bären entlang der Küste.

Irgendwann überwältigt mich die Müdigkeit der vergangenen Tage. Mit dem immer wiederkehrenden Gedanken „Wieviel Glück kann man eigentlich haben?“ falle ich ins Bett und schlafe bis kurz vor Sonnenuntergang.

Unten gibt es ein paar Impressionen der Reise

Kayak – entlang der Passage
Entlang der Inside Passage
Alleine im Schiff
Dem Sonnenuntergang entgegen

Willkommen im Norden von British Columbia

Nach unserer Ankunft in Prince Rupert verlassen wir als eines der ersten Campingfahrzeuge die Fähre und fahren direkt zu einem freien Stellplatz außerhalb der Stadt.

Dort verbringen wir eine weitere ruhige Nacht und lassen die Ereignisse der vergangenen Tage Revue passieren.

Eine anstrengende, nervenaufreibende und gleichzeitig unglaublich glückliche Etappe liegt hinter uns. Doch wenn mich jemand fragt wieviel Glück wir heute hatten dann kann ich nur eines antworten „Alles!“.

Vor uns warten nun die nächsten 1.300 Kilometer bis Whitehorse und der Yukon.