Schlagwort-Archive: Klondike II

WDAE: Whitehorse und die S.S. Klondike


Unser nächstes Ziel in Whitehorse ist die S.S. Klondike. Das beeindruckende Dampfschiff transportierte über viele Jahre Fracht und Passagiere zwischen Whitehorse und Dawson City und war einer der letzten kommerziell eingesetzten Heckraddampfer auf dem Yukon River.

Die S.S. Klondike II in Whitehorse
Das Schiff im Trockendock

Die heute in Whitehorse ausgestellte S.S. Klondike ist streng genommen bereits die zweite Klondike. Das erste Schiff, die Klondike I, wurde 1929 von der British Yukon Navigation Company gebaut und galt damals als technischer Meilenstein. Mit einer Nutzlast von rund 270 Tonnen konnte sie etwa 50 Prozent mehr Fracht transportieren als herkömmliche Heckraddampfer – und das, ohne einen zusätzlichen Lastkahn schieben zu müssen. Trotz ihrer Größe besaß sie einen Tiefgang von nur rund einem Meter und war damit ideal für die flachen Gewässer des Yukon River geeignet.

Im Juni 1936 lief die Klondike I auf dem sogenannten Thirty Mile zwischen dem Lake Laberge und dem Teslin River auf Grund. Der hölzerne Rumpf war nicht mehr zu retten. Die British Yukon Navigation Company barg jedoch die wertvollsten Bauteile – darunter die Dampfkessel, Dampfmaschinen und zahlreiche Armaturen – und verwendete sie für den Bau eines nahezu baugleichen Nachfolgeschiffes. Bereits im Mai 1937 lief die Klondike II vom Stapel.

Bei der in Whitehorse ausgestellten S.S. Klondike handelt es sich also um die Klondike II. Sie ist rund 64 Meter lang, 12,5 Meter breit und wurde von zwei Verbunddampfmaschinen mit einer Gesamtleistung von etwa 525 PS angetrieben. Über ihr großes Schaufelrad am Heck erreichte sie eine Nutzlast von bis zu 270 Tonnen bei einem Tiefgang von lediglich 0,6 Metern unbeladen beziehungsweise rund einem Meter bei voller Beladung. Die Besatzung bestand aus 23 Personen.

Was für ein beeindruckendes Schaufelrad

Gebaut wurde das Schiff ursprünglich für den Transport von Silber-Blei-Erz aus dem Mayo Mining District sowie für den Fracht- und Passagierverkehr zwischen Whitehorse und Dawson City. Nach einem umfangreichen Umbau wurde die S.S. Klondike II 1954 als Kreuzfahrtschiff eingesetzt, bevor sie bereits 1955 – mit dem Ausbau des Straßennetzes im Yukon – außer Dienst gestellt wurde. Sie war damit eines der letzten großen kommerziell eingesetzten Heckraddampfschiffe auf dem Yukon River.

1966 wurde das Schiff an seinen heutigen Standort oberhalb des Yukon River versetzt. Dafür rollte man den rund 900 Tonnen schweren Dampfer mithilfe von drei Bulldozern über mit Schmierseife behandelte Holzrollen an seinen heutigen Ausstellungsort. Ein Jahr später, am 24. Juni 1967, erklärte die kanadische Regierung die S.S. Klondike zur National Historic Site of Canada. Heute gilt sie als einer der am vollständigsten erhaltenen Heckraddampfer Nordamerikas.

Wegen Restaurierung leider geschlossen
What a beauty!

Eigentlich hatten wir uns darauf gefreut, einmal selbst über die Decks der S.S. Klondike zu laufen. Doch daraus wurde leider nichts. Das Schiff ist derzeit für Besucher geschlossen und wird im Rahmen eines mehrjährigen Restaurierungsprojekts umfassend saniert. Jahrzehnte im Trockendock, extreme Temperaturschwankungen sowie Schnee, Regen und Frost haben der hölzernen Konstruktion deutlich zugesetzt. Nun werden der Rumpf stabilisiert, unter anderem bleihaltige Altanstriche entfernt und das Schiff für die kommenden Generationen konserviert. Dafür investiert Parks Canada mehr als 14 Millionen kanadische Dollar in den Erhalt dieses einzigartigen Zeitzeugen.

So blieb uns nur der Blick von außen. Ehrlich gesagt war das aber schon beeindruckend genug. Erst wenn man direkt vor der S.S. Klondike steht, wird einem bewusst, welche Ausmaße diese Heckraddampfer hatten. Rund um das Schiff befindet sich heute ein kleines Freilichtmuseum mit Informationstafeln zur Geschichte der Dampfschifffahrt, historischen Ausrüstungsgegenständen, dem ehemaligen Werftbereich sowie der restaurierten Atlin Barge. Auch ohne einen Rundgang erzählt die S.S. Klondike ihre Geschichte – an genau dem Ort, an dem sich einst das Herz der Yukon-Schifffahrt befand.

Während wir zurück zu unserem Campingplatz durch Whitehorse fahren, merken wir schnell, dass hier Geschichte und Gegenwart eng miteinander verbunden sind. Zwischen modernen Geschäften, Werkstätten und Wohnhäusern begegnet man immer wieder den alten Spuren des Goldrausches.

Für uns geht es aber wieder zurück … zu einem leckeren Abendessen und um das neu gelernte zu verdauen. Mit jedem Tag erkennen wir mehr die vielen kleinen und großen Zusammenhänge die nicht nur zum Klondike sondern auch zur Geschichte der Menschen die in dieser Region leben dazugehören. 

 

EXKURS: Welche Bedeutung haben die Dampfschiffe für den Klondike – Goldrausch

Mit dem Klondike-Goldrausch wurde schnell klar, dass der Yukon River zwar die wichtigste Verkehrsverbindung nach Dawson City war, gleichzeitig aber enorme Herausforderungen mit sich brachte. Straßen gab es praktisch nicht. Im Sommer blieb deshalb oft nur der Fluss, im Winter übernahmen Hundeschlitten und später erste Winterstraßen den Transport.

Warum setzte man ausgerechnet auf Dampfschiffe? Die Antwort liegt in den gewaltigen Entfernungen. Zwischen Whitehorse und Dawson City liegen rund 740 Flusskilometer. Dazu kamen starke Strömungen, wechselnde Wasserstände und zahlreiche Sandbänke. Segelschiffe waren auf dem schmalen, kurvenreichen Fluss nahezu nutzlos, da der Wind meist aus der falschen Richtung kam oder durch die bewaldeten Ufer abgeschirmt wurde. Ruderboote wiederum wären für größere Lasten viel zu langsam gewesen.

Die Heckraddampfer waren dafür nahezu perfekt. Ihr flacher Rumpf erlaubte Fahrten auch bei geringem Wasserstand. Das große Schaufelrad am Heck war besser vor Treibholz geschützt als seitliche Schaufelräder und konnte selbst in flachen Bereichen noch ausreichend Vortrieb erzeugen. Gleichzeitig boten die Schiffe erstaunlich viel Platz. Lebensmittel, Maschinen, Baumaterial, Brennstoff, Post, Gold, Händler und Passagiere – alles wurde über den Yukon River transportiert. Ohne diese Dampfschiffe hätte sich Dawson City niemals so schnell entwickeln können.

Alles hat ein Ende

Besonders beeindruckend ist der Brennstoffverbrauch. Die frühen Dampfschiffe wurden mit Holz befeuert und verschlangen täglich viele Tonnen davon. Entlang des Yukon entstanden deshalb in regelmäßigen Abständen sogenannte Wood Camps. Dort stapelten Arbeiter riesige Holzvorräte, an denen die Schiffe während ihrer Fahrt anhielten, um ihre Kessel wieder zu füllen. Der Fluss war dadurch nicht nur Verkehrsweg, sondern gleichzeitig eine lange Versorgungskette.

Während des Goldrausches selbst fuhren zwar noch deutlich kleinere und einfachere Dampfer aber die S.S. Klondike zeigt eindrucksvoll, wie sich die Flussschifffahrt im Yukon weiterentwickelte und welche Dimensionen sie später erreichte.

Erst der Bau des Klondike Highway in den 1950er-Jahren machte den regelmäßigen Schiffsverkehr zunehmend überflüssig. Lastwagen waren schneller, flexibler und nicht mehr vom kurzen Sommer abhängig. 1955 endete schließlich die Ära der großen Heckraddampfer auf dem Yukon River.

Bericht eines Zeitzeugen darüber, was die Ankunft eines Dampfschiffes für die Menschen am Yukon bedeutete