Ein neuer Tag, ein typisch kanadisches Frühstück und schon sind die gestrigen Eindrücke verblasst. Die Vorfreude auf einen Tag mit dem Bonanza-Rad im Stanley Park übernimmt das Kommando.

Stanley Park – Mit dem Bonanza-Rad durch und um Vancouvers grüne Lunge
Der Stanley Park ist mit seinen rund 400 Hektar einer der größten Stadtparks Nordamerikas und gilt als das grüne Herz Vancouvers. Kaum zu glauben, dass sich mitten in einer Millionenstadt ein so gewaltiges Naturparadies mit alten Douglasien, Zedern und spektakulären Ausblicken auf Meer, Berge und Skyline befindet.
Natürlich wollten „wir“ den Park nicht zu Fuß erkunden – das muss ich an dieser Stelle so formulieren, damit niemand merkt, dass meine Begeisterung für längere Wanderungen überschaubar ist. Stattdessen ging es stilecht und ausgesprochen komfortabel auf geliehenen Bonanza-Rädern durch den Stanley Park. Da merkt man wie gut Vancouver auf und gerade Downtown auf Touristen eingestellt ist, An jeder Ecke im Hafenviertel gibt es was zu leihen oder es werden jede Art von Sightseeingtouren entweder im Bus, mit dem Segway oder zu Fuß angeboten. Für uns geht es aber mit den Räder über den Seaside Greenway vom Vancouver Convention Center bis zu seinem wohl bekanntesten Abschnitt den Stanley Park Seawall. Der Seaside Greenway ist ein etwa 28 km langer durchgehender Rad-, Lauf- und Spazierweg entlang des Wassers, der vom Bereich des Vancouver Convention Centre über Coal Harbour, den Stanley Park, English Bay, False Creek, Granville Island und Kitsilano bis zu den Spanish Banks führt. Er gilt als einer der längsten ununterbrochenen Uferwege der Welt.
Für uns bedeutet es dass wir begleitet von fantastischen Ausblicken auf den pazifischen Ozean, schneebedeckte Berge und Skyline radelten wir einmal, entlang des Stanley Park Seawall und damit den rund neun Kilometer langen Radweg entlang der Küste um den berühmten Stanley Park herum.
Da Wochenende war und gleich drei große Kreuzfahrtschiffe im Hafen lagen, war nicht nur Downtown Vancouver sondern auch der Stanley Park regelrecht überlaufen. Entsprechend bewegten wir uns die meiste Zeit in klassischer „Enten-Manier“ – schön hintereinander, immer dem Vordermann folgend umgeben von unzähligen Radfahrern aus aller Welt.
Der Seawall selbst ist angenehm flach und leicht zu fahren. Ständig eröffnen sich neue Ausblicke auf die Skyline von Vancouver, den Hafen, die North Shore Mountains und die vielen Wasserflugzeuge, die im Minutentakt starten und landen.

Nach der ersten Runde zog es uns dann doch einmal quer durch den Park zum Aussichtspunkt an der Lions Gate Bridge. Wer glaubt, dass es dort genauso gemütlich weitergeht wie auf dem Seawall, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Wege im Inneren des Parks haben es stellenweise ordentlich in sich und verlangen einige kräftige Tritte in die Pedale. Zum Glück waren wir mit E-Bikes unterwegs, die uns die Anstiege deutlich erleichterten.
Vom Aussichtspunkt bot sich ein fantastischer Blick auf die berühmte Lions Gate Bridge, die Downtown Vancouver mit North Vancouver verbindet und sich eindrucksvoll zwischen Meer, Wald und Bergen spannt.


Lions Gate Bridge – Mehr als nur eine Brücke
Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine weitere große Hängebrücke – doch tatsächlich steckt hinter ihr eine spannende Geschichte.
Doch mit ihren markanten grünen Türmen verbindet sie seit 1938 Downtown Vancouver mit North Vancouver und gehört heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Ihren Namen verdankt sie den beiden Berggipfeln „The Lions“, die hoch über Vancouver aufragen und von vielen Stellen der Region aus zu sehen sind.
Besonders überraschend ist jedoch die Verbindung zur berühmten Guinness-Familie. Ja, genau die Guinness-Familie, die mit dem gleichnamigen irischen Bier weltbekannt wurde. In den 1930er Jahren gehörten den Guinness-Brüdern große Flächen auf der Nordseite des Burrard Inlet. Um diese Gebiete besser erschließen und entwickeln zu können, unterstützten sie den Bau der Brücke maßgeblich finanziell.
Ohne das Engagement der Guinness-Familie gäbe es die Lions Gate Bridge in ihrer heutigen Form möglicherweise gar nicht. Die Brücke wurde zum Schlüssel für die Entwicklung von West Vancouver und North Vancouver und prägt bis heute das Stadtbild der Region.
Als wir dort standen und auf die Brücke blickten, war kaum vorstellbar, dass dieses Wahrzeichen nicht nur ein technisches Meisterwerk ist, sondern auch ein Stück Familiengeschichte einer der bekanntesten Bierdynastien der Welt erzählt.
Eine unfreiwillige zweite Runde über den Seawall
Zurück ging es über einige der unbefestigten Schotterwege des Parks, bevor wir spontan noch eine zweite Runde drehten. Irgendwie konnten wir von den Ausblicken, der frischen Meeresluft und der entspannten Atmosphäre einfach nicht genug bekommen.
Okay – das ist jetzt vielleicht etwas dick aufgetragen. Der wahre Grund war deutlich profaner: Der Uferradweg ist eine Einbahnstraße, und wir hatten es tatsächlich geschafft, am Anfang statt am Ende unserer Runde anzukommen. Naja – blöd, wenn man – links statt rechts vom Bonanza-Rad fällt und auf dem harten Boden landet. Anders rum wären wir am Ende der Runde angekommen.


Mit lädiertem Knie, aber dennoch glücklich (einen Helm getragen zu haben), angenehm erschöpft und mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck ließen wir den Tag schließlich bei leckeren asiatischen Essen in einem der vielen Food Markets ausklingen. Ein perfekter Tag im Stanley Park – und ein weiterer Beweis dafür, warum Vancouver immer wieder zu den lebenswertesten Städten der Welt gezählt wird. Morgen werden die letzten Vorbereitungen getroffen und dann geht es am Montag zur Vermietstation um unseren Truck Camper abzuholen.
Hey Carsten,
sehr schönes Fleckchen hast du dir da ausgesucht.
Ich lande im August dort. Aber nur, um meine Tochter zu besuchen, die es erst nach Vancouver und jetzt nach Victoria gebracht hat.
Ist aber auch ein guter Grund, die Gegend dort zu erkunden. 😇
Und genau das wird passieren. Daher also schon einmal ein großes Dankeschön für den Bericht.